Traurig

Ich könnte mich ja permanent über manche Leute aufregen. In der Montagsgruppe der Prinzessin gibt es eine Mutti. Recht ruhig und zurückhaltend, freundlich, sympathisch und ein bisschen unsicher. Ihre Maus (11 Monate alt) ist ihr erstes Kind und macht einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Ausgeglichen, neugierig, ein bisschen kess und ständig am grinsen. Aus den Gesprächen, die man in solchen Gruppen eben so von Frau zu Frau führt, weiß ich, dass zu Hause der ganz normale Wahnsinn einer durchschnittlichen Familie herrscht (Papa geht arbeiten und Mama kümmert sich um Haus und Hof).

Wie gesagt ist die Kleine das erste Kind und so etwas wie ein kleines Wunder, weil sie einen schweren Start ins Leben hatte. Dies führt dazu, dass Mama macht und tut und in jeder Situation zusieht, wie es für das Kind am besten/ schönsten/ bequemsten ist. Ein bisschen sehr viel, wie sie selber auch zu gibt. Dennoch, sie gibt täglich alles für ihr Kind und ein bisschen hat man  manchmal Sorge, dass sie sich dabei gänzlich aufgibt.

Und nun kommen wir zu dem Punkt, der mich so aufregt:

Wir Mütter kennen es ja im Grunde gar nicht anders, als dass es immer irgend einen Menschen gibt, der meint, man würde dies oder das nicht gut oder richtig genug machen. Dann muss frau sich ungefragt Ratschläge reinziehen oder wird gar so runter geputzt, dass man sich danach fragt, ob man denn wirklich so eine schlechte Mutter ist. Manch eine Mutter hat gelernt damit umzugehen und hört entweder erst gar nicht zu, nimmt es sich nicht so zu Herzen oder führt stundenlange Grundsatzdiskussionen um am Ende zu sagen „Ich mach es so und damit basta!“ (zu diesen Müttern gehöre ich definitiv). Das ist okay und auch wenn es nervig ist und man sich darüber ärgert, so kann man damit umgehen.
Und dann gibt es Mütter, die hören sich alles geduldig an, haken nach und saugen jeden noch so blöden Ratschlag in sich auf und versuchen es allen Menschen recht zu machen. Natürlich gelingt das nicht, denn so viele Menschen es gibt, so viele unterschiedliche Erziehungsstile gibt es auch. So eine Mutti ist die eben erwähnte.

Letzten Montag kam sie dann ganz verstört in die Gruppe und erzählte, dass eine „Freundin“ das Jugendamt hat einschalten lassen, weil sie das Gefühl gehabt hätte, um die kleine Maus würde sich nicht vernünftig gekümmert werden, weil die Mutter offenbar tiefste Depressionen hätte und das Kind vernachlässigen würde. Auf diese grandiose Idee kam diese Person, weil betreffende Mutter ihr sagte, dass sie so fertig sei und habe letztens den Vater des Kindes von der Arbeit nach Hause holen müssen, weil sie nicht mehr konnte. Hintergrund der Geschichte ist, dass sie vor kurzem eine schwere Rückenop hatte und die Kleine nach 8 Stunden nicht weiter bespielen konnte, weil sie einfach Schmerzen hatte.
Ein weiterer schwerwiegender Grund, der Annahme zur Vernachlässigung und Hinweis auf schwere  Depression liefert, ist die Tatsache, dass die Oma fast täglich zu Besuch kommt und der jungen Mutter unter die Arme greift in Form von Haushaltsführung und Kinderbetreuung. Dass diese Frau zu viel Zeit auf Grund von Rente hat und eventuell mehr als vernarrt in die Enkeltochter ist, ist natürlich vollkommen abwegig. Genau wie die Tatsache, dass es tatsächlich Familien gibt, wo man sich ungefragt als Hilfe erweist…

Ganz ehrlich? Ich rege mich noch immer über die angebliche Freundin auf und mir tut die Mutti ganz schön Leid, weil diese total am Ende ist aus Angst, das Jugendamt würde ihr nun das Kind wegnehmen, weil sie überfordert ist. Und weil ich ja ein Mensch mit losem Mundwerk bin, habe ich meinem Ärger Luft gemacht und alles, aber auch wirklich alles raus gelassen, was mir dazu einfiel. Offenbar hat es ein wenig beruhigt, denn nach meinem Wortschwall bedankte sie sich und versprach sich von solchen Leuten demnächst fern zu halten.

Und ich sitze noch immer hier,drei Tage später,  mit ganz viel Wut im Bauch und würde mir wünschen, dass alle vor der eigenen Tür kehren, bevor sie anderer Leute Systeme in Frage stellen… Keiner ist perfekt, aber viele scheinen keiner zu sein…

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2 Gedanken zu “Traurig

  1. Wie ich ja vorhin schon zu der geschichte sage: Ich finde gerade wenn es um das Jugendamt geht, muss man sich wirklich sicher sein, dass es notwendig ist. Sicher, es gibt definitiv genug Fälle, wo zu spät gehandelt wird, aber man sollte Situationen nicht von aussen beurteilen, sondern wenn man das Gefühl hat, dass da Not am Manne is, vielleicht eher erstmal schauen, ob man nicht helfen kann, bevor man solche drastischen Schritte so früh angeht. Besonders als vermeindliche Freundin. Eine wirklich traurige Situation.

    • Prinzipiell ist es ja so, dass das Jugendamt da ist um zu helfen und zwar in der Familie…
      Viel schlimmer finde ich, dass so eine Aktion von einer „Freundin“ kam. Freunde sollten, wenn sie einen solchen Verdacht haben, doch wohl eher sagen „Komm, ich helfe dir, möchtest du reden, soll ich wo mitanpacken?“ und nicht „Ich versetze dich in Angst und schrecken, weil du unfähig zu sein scheinst!“

Mäh mal wieder

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