Thearpie

Ich habe einen wirklich guten Zahnarzt. Kompetent, freundlich, ein wenig witzig, stets ums Patienten wohl bemüht.  Sehr gerne mag ich die Zahnarzthelferin (also die, die mit ins Zimmer kommt). Die tätschelt mir beruhigend die Schulter, trocknet mir die Tränchen und findet immer ein nettes Wort. Außerdem weiß sie genau, was sie sagen darf und was sie einfach unkommentiert lässt.

Es hat im Grunde ewig gedauert, bis ich Vertrauen zu dem Zahnarzt aufgebaut habe und dann kam irgend jemand auf die schlaue Idee, mir eine Krone zu verpassen. Worauf andere Menschen schon so nicht scharf sind, bekomme ich natürlich auch noch in Sonderausführung.

Die Zähne wurden abgeschliffen (was ich als sehr schmerzvoll empfand), Abdrücke genommen und dann kam das Provisorium drauf. So weit so gut. Es hieß, dass ich noch einmal zur Anprobe hin müsste und dann ein letztes Mal zum einsetzen. Das ist etwas, darauf verlässt man sich und da man ja auch noch nciht weiß, was kommt, geht man ganz unbedarft zum nächsten Termin. Wird schon nicht so schlimm werden, redet man sich ein. Und dann kommt der Arzt ins Wartezimmer und erklärt, dass er noch einmal schleifen müsse, weil das Labor das so angewiesen hat. Oh wie schade, so viel Zeit habe ich dann doch nciht mitgebracht und vertröste ihn auf ein anderes Mal.

Zuerst mache ich erst einmal eine Woche lang gar keinen Termin aus, dann mache ich einen aus und „vergesse“ ihn. Dumm gelaufen… Nur leider habe ich da die Rechnung ohne den Schatz gemacht, denn der löchert und piesackt mich ständig und nimmt die Sache dann kurz entschlossen, in Form des Telefons, selber in die Hand.  „So schlimm wird es schon nicht werden, so schlimm wird es schon nicht werden, so schlimm wird es schon nicht werden…“ murmele ich vor mich hin, während ich ganz tapfer das Arztgebäude betrete.

Wie sehr man sich doch täuschen kann… Nach der Behandlung frage ich meinen Zahnarzt, ob ihm denn bewusst ist, dass ich nicht unbedingt gerne zu ihm komme. Klar sei ihm das klar, aber irgendwie müsse man ja die Angst behandeln. Toll… Soll ich ihm jetzt auch noch dankbar sein? Immerhin ist er nciht böse auf mich, weil ich ab und zu einen Termin sausen lasse… Er versteht das, immerhin gehört sein Beruf nciht gerade zu den beliebtesten Dienstleistungen. Er sieht es immerhin ein.

Und als ich dann das letzte Mal zum einsetzen da bin, bittet er die Zahnarzthelferin um den Alkohol. „Au ja“ mümmel ich zwischen der Watte hervor. „Nicht für Sie! Für mich!“ sagt er und fügt schnell hinzu „Also für die Behandlung… Also weil… Da komm ich wohl nicht mehr raus, wa?“ Nun kann ich trotz der Schmerzen doch noch lachen und bedanke mich fürs Klischee erfüllen.

Dann gibt er mir den Heil- und Kostenplan für eine Brücke mit. Ich bin maximal begeistert und führe mir vor Augen, dass ich dann im nächsten Jahr vollkommen angstfrei zu den Vorsorgeterminen in die Praxis kommen kann. Bis dahin sollte die Therapie dort ja wohl angeschlagen haben?!

 

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3 Gedanken zu “Thearpie

  1. ai ai ai, als ich das letzte mal zum Zahnarzt ging, da hatte ich einen Monat später mit 23 Jahren eine feste Zahnspange. du erinnerst dich sicher 😦
    Nachdem das dumme Ding draussen war, war ich nicht ein einziges Mal mehr da *drop* Ich kann deine Angst total nachvollziehen.

    Wobei ich sagen muss…der Witz mit dem Alkohol. Macht den Mann sympathisch *lach*

    • Ja, ich erinnere mich 😦 Sollteste vielleicht trotzdem mal wieder hin 😉
      Und der Witz war gar kein Witz. Er brauchte den Alkohol tatsächlich… Und eins kann ich dir sagen: es war kein leckerer Cocktail, eher dieses einmal-trinken-ein-Leben-lang-blind-Zeug! 😀

Mäh mal wieder

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