Sentimental

Gerade komme ich von einem Weiberfrühstück. Das heißt, dass drei “Damen”  an einem Tisch sitzen, gemütlich Heißgetränke schlürfen und über vergangenes, jetziges und kommendes schnacken. Das funktioniert besonders gut, wenn besagte Hexen  “Damen” sich schon seit der Schulzeit kennen. Da hat man dann ganz viel Damals und das kann ja auch ganz nett sein, nicht wahr?

Und ganz ehrlich, wenn ich so an mein zurück liegendes Leben denke, dann stelle ich immer wieder fest, dass ich seit gut einem Jahr die qualitativ hochwertigste Zeit meines Lebens habe. Seit ich dem mütterlichen Haushalt den Rücken gekehrt habe, war ich immer zu damit beschäftigt nicht abzurutschen.

Den Abschluss machen, drei Jahre lang 12Stunden arbeiten gehen um dem arbeitsfaulen Partner den Luxus von Nahrung, Zigaretten und Strom bieten zu können, während er zu Hause vor dem TV saß, konsumierte und darauf wartete, dass ich endlich nach Hause zum Essen machen komme.

Aus der Wohnung geschmissen zu werden und gleichzeitig die Ausbildung zu absolvieren, natürlich nicht ohne Nebenjob, da die Ausbildung und das Leben drum herum ja irgendwie auch Geld kostet.

Und irgendwie fühlte ich mich immer allein. Wenn ich überlege, wie andere den Abschluss mit der Familie zelebrierten, familiären Rückhalt während der Ausbildung hatten… Und ich musste mich einfach nur beweisen. Keiner der mir seinen Stolz bekundete, mich in den Arm nahm und überschwänglich gratulierte, als ich das Colloquium bestanden hatte, obwohl ich solche Angst davor hatte.

Dann wurde es noch einmal alles ganz schlimm und irgendwie sah es so aus, als würde mein Leben im Chaos unter gehen. Kräftemäßig war ich am Ende.
Und obwohl ich mich immer alleine fühlte, so waren da doch immer die Menschen, die zwar nicht meine Blutsverwandten, aber doch irgendwie Familie waren.
Menschen, die mich täglich in den Bus zur Schule lockten, obwohl ich einfach nur im Bett liegen und leiden wollte.
Freunde, die mich anriefen und mir in den Arsch traten, wenn ich mal wieder die Ausbildung schmeißen wollte.
Menschen, die mit mir Wege zu Ämtern und Gerichte gingen.
Menschen die vor der Tür warteten und die Daumen drückten, während ich mich hinter der Tür um Kopf und Kragen redeten.

Heut zu Tage sagt man das ja nicht mehr so, aber ich tu es nun trotzdem:

♥ Ich hab Euch lieb! ♥

Und dann kam der Schatz und alles richtete sich. Seit nun etwas über ein Jahr muss ich nicht täglich kämpfen, sondern darf auch einfach Mal leben. Muss mir nur die gewöhnlichen Sorgen um die Zukunft machen, die andere Menschen auch haben. Das ist schön.

Danke an all die Menschen, die immer irgendwie da waren und es gar nicht gemusst hätten. Ihr ward damals da und seit es noch heute. Andere haben eine wunderbare Familie, ich habe euch.

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Mäh mal wieder

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