Lazarett

Heute war der Termin für die Entfernung der Polypen beim kleinen Mann.

Pünktlich waren wir und der kleine Mann bekam eine “Zaubersalbe” auf den Handrücken und in die Armbeuge. Betäubung, damit der Einstich für die Braunüle nicht so doll wehtut. Einen Beruhigungssaft noch, dann darf er sich noch einen Film im PraxisTV ansehen und dann werden wir in das Umkleidezimmer gerufen.

Eine sehr nette Schwester gibt mir Instruktionen und fragt mich eher beiläufig, wann er denn das letzte Mal etwas gegessen hätte. Ich habe mich natürlich an die Anweisungen des Vorgesprächs gehalten und so durfte der kleine Mann heute Morgen um 6h das letzte Mal essen und trinken. Kann sich jemand vorstellen, wie schwer es einem fällt, dem Kind viereinhalb Stunden lang das Trinken zu verwehren

Dann kommt die Schwester wieder raus und erklärt, dass wir wieder gehen müssen und entweder in 14 Tagen wieder kommen könnten, oder in einer Stunde. Ich entschied mich für die Stunde, denn ich hatte HEUTE den Babysitter für die Maus und weiß ich, ob in zwei Wochen wieder alle Faktoren passen?!

Also liefen wir noch eine Runde durch das Center und gingen zurück in die Praxis. Das der Beruhigungssaft irgendetwas bewirkt hätte, kann ich nicht bestätigen, trotzdem gingen wir dann wieder in die Kabine und ich zog meinen Sohn bis auf die Unterwäsche aus und muss ihn dann einer weniger sympathischen Schwester übergeben. Der kleine Kerl weint ein wenig und hält sich tapfer an seinem Drachen fest, während ich ihm schweren Herzens hinterher schaue, wie er von der Schwester in den OP getragen wird 😥

Ich setzte mich ins Wartezimmer und hatte es gerade mal geschafft eine Seite meines Buches zu lesen, als ich schon in den Aufwachraum gerufen werde. Da wird mein schlafendes Kind gerade auf ein Bett gelegt und ich bekomme letzte Informationen. “Gut das wir sie entfernt haben, das hat sich richtig gelohnt. Ansonsten ist alles gut gelaufen!”

Dann darf ich zu meinem Kind, welches da liegt und aus Nase und Mund kleine Rinnsale blutet, die ich mit einem feuchten Tuch auffangen soll. Ich bin eigentlich ganz tapfer und die ersten 10 Minuten halte ich es auch ganz gut aus, aber dann merke ich, wie mir komisch wird, kalter Schweiß auf die Stirn tritt und die Ohren sich mit Watte füllen “Entschuldigung, haben Sie etwas gegen Kreislaufproblem?” und dann werde ich auf die Liege geschickt, Beine hoch und bekomme einen Becher eiskalten Wassers und einen dieser Traubenzuckerlollies, die eigentlich für die kleinen tapferen Patienten gedacht sind.

Neben dem Kleinen sitzt die nette Schwester, krault ihm das Gesicht und schaut mich besorgt an, als ich aufstehe. Dann geht sie und die unsympathische Dame tritt neben mein Kind, welches immer noch blutend schläft und stupst ihn recht unsanft an der Wange.

Er wird wach und beginnt zu weinen. Dabei blutet er noch ein bisschen stärker und ich darf mich dank des Kreislaufes neben ihn legen und muss versuchen ihn zu beruhigen. Ganz toll. Blöde Kuh!
Nach einer halben Stunde und etlichen Kommentaren der “Kuh” (Er muss aufhören zu weinen, dass muss er verstehen! Wenn er nicht aufhört, kann er nicht nach Hause! Sie müssen ihn beruhigen! etc) habe ich ihn zumindest so weit beruhigt, dass er etwas trinkt und seinen Lolly lutscht. Bluten tut er kaum noch.

Dann dürfen wir gehen und die eine  Stunde kam mir vor wie 6. Er ist noch ein bisschen duselig, freut sich aber trotzdem über den O-Saft und die Pizzazunge. Endlich geht es nach Hause, wo eine artige Prinzessin auf ihren Bruder wartet, um ihn zur Begrüßung zu streicheln.

Ab 17:30h (die Prinzessin ist zu einem Kindergeburtstag) baut der kleine Mensch ab und weint ständig, beschwert sich über Schmerzen und leidet. Eigentlich sollte es ihm nicht so schlecht gehen. Ab 19h ist vorbei und er weint jämmerlich, trotz der verabreichten Schmerzmittel. Das Mutter- und Vaterherz hat hart zu arbeiten, hinzukommt, dass die Maus nun auch leichtes Fieber hat (bei ihr sind es die Zähnchen) und überhaupt ist alles doof Meine armen Babys.

Inzwischen schläft der kleine Mann unruhig in unserem Bett und wimmert und weint in regelmäßigen Abständen. Ich kann ihm nur meine Hand beruhigend auf die Wange legen und hoffen, dass er irgendwann in einen ruhigeren Schlaf fällt.

Mir graut es vor morgen, denn vormittags muss ich unser Lazarett alleine stemmen, denn der Schatz ist auf Arbeit. Irgendwie schaff ich das schon…

Ein ganz gerührter Dank geht an all die Menschen, die sich per SMS, Mail oder Telefon nach dem Zustand des Kindes erkundigt haben. ♥

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Mäh mal wieder

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