Seine Brille, ihre Brille

Vor einem guten halben Jahr wurde bei unserem jährlichen Augenarztbesuch mit den Kindern festgestellt, dass das große Kind eine Brille benötigt. Natürlich war das nicht ganz so einfach, kennt ihr zufällig diese bösen Augentropfen, welche die Pupillen erweitern? Sie sind schon für den Erwachsenen ungefähr so angenehm wie ein spitzer Stein im Schuh bei einem Marathon. Mit dem Unterschied, dass man sich, theoretisch, der Notwendigkeit einer solchen Behandlung bewusst ist und sie ohne großen Aufhebens über sich ergehen lässt. Anders bei einem Kind. Die blöden Tropfen brennen und sollen im Abstand von jeweils 10 Minuten dreimal in beide Augen getropft werden. Schon beim aller ersten Tropfen, der die Netzhaut des Kindes berührt, war für mein Kind klar: meine Eltern wollen mich quälen, da spiel ich nicht!

Nun gut, dank gezuckerter Bestechung ging es dann doch irgendwie und die nette Frau Doktor stellte wie gesagt eine Weitsichtigkeit beim großen Kind fest. Wir bekamen ein Rezept mit den Werten und straksten damit gleich am nächsten Tag zum Optiker unseres Vertrauens.

Ich wartete auf den Kundenbetreuer und legte alles weitere in seine Hände. Brille aussuchen? Geht gar nicht! Weder habe ich für mich selbst ein gutes Gespür was eine passende Brille anbelangt (könnte daran liegen, dass ich die Modelle auf meiner Nase so gut wie gar nicht erkennen kann ohne Brillengläser), noch konnte ich mir meinen kleinen Mann mit einem Nasenfahrrad vorstellen. Ist ja auch irgendwie klar, immerhin hatte er die letzten 7 Jahre das makelloseste Gesicht der Welt und nun sollte da so ein olles Drahtgestell drauf?! Bäääähhh…
Während wir warteten, schaute sich der Prinz schon einmal ein wenig um und entdeckte auch relativ flott zwei grundlegend verschiedene Brillenmodelle, die ihm absolut gefielen. Das eine war ein Kunststoffbrille in schwarz/neongrün und die andere eine blaue Titanflexbrille. Ungewohnt sahen sie beide aus und da sie sich preislich auch nicht besonders viel nahmen, sollte die letzte Entscheidung beim Kind liegen, immerhin würde er das Teil ja mit Überzeugung tragen müssen. Die Titanflex bekam (zum Glück) den Zuschlag und nach noch nicht einmal einer halben Stunde waren wir wieder aus dem Geschäft und mein Sohn zählte quasi schon die Stunden, bis wir die Brille abholen würden.

Vor gut drei Wochen hatten wir wieder einen Termin beim Augenarzt, diesmal musste auch die Prinzessin in den sauren Apfel beißen und ich hatte das unglaubliche „Glück“ mir das Tropfendrama diesmal im Doppelpack geben zu dürfen (mein Beileid an alle Zwillingseltern, ich kann nur im Ansatz erahnen, was ihr teilweise durchleiden müsst).

Zuerst sprang der Große auf den Behandlungsstuhl und *HURRA* wir bekamen neue Werte für den Optiker (absehbarer Weise muss ich sagen!).
Da der Große so gar keine Lust hatte den Sehtest seiner Schwester beizuwohnen bzw. schwer davon abzuhalten war, ihr nicht vorzuflüstern, durfte er im Wartebereich nochmal ein Buch ansehen, während ich der Prinzessin seelischen Beistand leistete. „Also wir könnten jetzt nochmal die nächste Untersuchung in 3 Monaten abwarten oder jetzt schon mit einer Korrekturmaßnahme beginnen.“ sagte die Ärztin. Das Kind schaute fragend zur Ärztin, während ich sagte, dass es mir gleich wäre, ob man nun heute oder in drei Monaten eine Brille suchen müsste. Plötzlich sprang ein mehr als euphorisches Kind vom Stuhl, hüpfte mit „Ich darf eine Brille haben, ich darf eine Brille haben…“-Singsang durchs Behandlungszimmer, riß die Tür auf und kreischte überglücklich „Aaaaaaaallleeexxx, ich bekomm endlich auch eine Brille!!!!“

Die anderen Patienten lachten, die Ärztin freute sich über diesen Gefühlsausbruch („Sowas ist mir jetzt in 25 Jahren aber auch das erste Mal passiert!“) und die Arzthelferin versuchte das ausgeflippte Kind (vergeblich) lächelnd mit Gummibärchen zu beruhigen. Was musste also sofort geschehen? Richtig, wir mussten um 18:30 Uhr noch schnell den Optiker überfallen. Dort kamen wir dann um 20:10 Uhr mit einem todunglücklichem und weinenden Kind wieder heraus, denn es gab dort KEINE Brille, die ihr entweder gepasst, gefallen oder gestanden hätte. DRAMA BABY!
Dieses Problem hatten wir bei noch 10 (!) weiteren Optikern. Ihr könnt euch meine Verzweiflung sich vorstellen?! „Deine Brille muss erst designt werden!“ sagte ich zu ihr, wobei mir plötzlich die Arzthelferin einfiel, die von einem Optiker in der Nähe sprach, welcher Haribo-Brille hatte, die ausgesprochen flexibel sowohl im Material, als auch in der Gestaltung seien. 17-10-08-19-25-30-345_deco.jpg

Also wir sofort dorthin und ENDLICH fanden wir das Gesuchte! Prinzessin suchte sich die Form der Gläser und die Farben der einzelnen Bauteile zusammen und bekam endlich DIE perfekte Brille, die sie tatsächlich „selber“ designt hatte. Natürlich in ihren Lieblingsfarben neonpink/neongelb, passend zu ihrem Ranzen! Nach gerade mal 4 Tagen war das gute Stück schon abholbereit und endlich kehrte wieder Ruhe und Glückseligkeit ins Mädchenherz ein.

Meine Güte, was war das für eine Tortur! Erst recht, wenn man den Brillenkauf des Prinzen im Hinterkopf hat, wo es zwei passende Brillen im ersten Laden gab und man nur zu warten brauchte, für welches Modell er sich denn letztlich entscheiden würde. Hoffentlich wächst sie nicht allzu schnell aus dem Gestell bzw. der Produktlinie heraus, damit mir eine erneute Suche erspart bleibt!

 

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4 Gedanken zu “Seine Brille, ihre Brille

  1. Vera schreibt:

    Trägt sie aber auch mit Stolz und mit Überzeugung !
    So schnell ändern sich die Werte? Ich hatte ja keine Ahnung.

    • Und soll es ja auch sein!
      Naja, zuerst gibt es eine Brille, damit das Kinderauge sich anfängt zu entspannen und nicht immer nur angespannt durch die Welt schaut. Und dann kommt die Nachkontrolle am entspannten Auge, wo die Sehstärke nochmal angepasst wird.

  2. Ich hab mich damals auch gefreut, als es hieß, ich bräuchte eine Lesebrille. Bis dahin hatte ich nämlich eine ohne Gläser, die ich immer zum Büro spielen genutzt hatte. Letztendlich hatte ich sie kaum auf.
    Heute…ja, heute geht es schon kaum noch ohne *sniff* Aber der Geschmack hat sich seitdem stark geändert. Und wo wir gerade beim Thema sind: Ich bräuchte uach dringend mal wieder eine neue -.-

    • Prinzessin trägt sie auch wirklich sehr vorbildlich. Genau wie der Große. Nur zum toben, duschen und kuscheln legen sie ihre Brillen.
      Bei mir geht noch nie ohne Brille 🤣

Mäh mal wieder

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