Wir schaffen das

Heute kam mein Großer nach der Schule zu mir und zeigte mir sein Elternheft. Mit gemischten Gefühlen nahm ich es entgegen, schaute mir meinen Sohn an und öffnete langsam das Heft. 

Im letzten Schuljahr bekamen wir jeden zweiten Tag  (gefühlt) das Elternheft und mussten Dinge lesen, die einen als normalen Mensch schon komisch gucken lässt, als liebende Mutter aber den blanken Hass hochsteigen lässt. Man(dy) war sich nicht sicher, ob die gute Frau, die da so negativ von diesem tollen Kind schreibt, überhaupt weiß, wessen Heft sie da beschriftet. Ich war irgendwann dann emotional schon so abgedrehten, dass ich nur schon beim aufklappen des Hefts  (wortwörtlich) rot sah und versprach, dass ich in gewissen Situationen nicht für die Funktionalität meiner Bremsen garantieren würde. 

Heute nahm ich also das neue Elternheft  (das alte habe ich voller Freude zerrissen und vor 3 Wochen entsorgt) in die Hand, auf das Schlimmste vorbereitet; schon tröstende Worte für meinen kleinen Schatz im Hinterkopf. 

Und dann sehe ich einen kleinen, einsamen Satz. Kurz und knapp, ein wenig unscheinbar zwischen den Mitteilungen über Hausaufgaben, die inzwischen recht ordentlich vom kleinen Mann eingetragen wurden und beginne zu weinen. 

Dieser Satz hat kein reißerisches Potential oder wird jemals in einem Geschichtsbuch erscheinen (naja, wer weiß was aus dem kleinen Mann mal wird 😉)  und doch… 

Dieser kleine Satz bezeugt den erfolgreichen Schulwechsel. Er beweist, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, dass wir richtig damit lagen nicht der Lehrerin zu glauben, sondern auf unser Gefühl und unserem Kind vertraut haben. 

An der an der alten Schule war er der Junge, der als LRS-Kind abgestempelt war und ständig aus dem Unterricht genommen wurde, weil er einfach nichts verstehen würde und deshalb der besonderen Aufmerksamkeit der Sonderpädagogin bedurfte. Heute war er der Junge, der von der strengsten Deutschlehrerin der Schule ein Lob ins Elternheft bekommen hat und sich inzwischen sehr gut in der Schule macht. 

Dieser kleine Kerl schaut mich stolz an, sieht meine Freudentränen, nimmt mich in den Arm, gibt mir einen Kuss auf den Hals und flüstert mir ins Ohr, dass ich nicht weinen muss, weil es ihm endlich gut in der Schule geht. 

Es gibt Lehrer die können Kindern das Leben zur Hölle machen, aber zum Glück gibt es auch die anderen und von denen gibt es zum Glück viel mehr, als es in Zeiten der Not scheinen mag. 

Der kleine, starke Mensch ist nun über den Berg und ich, ich bin langsam auf dem Weg zur Spitze. 

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Vertrauen? Kann ich nicht mehr!

Letzten September haben wir unser Kind Menschen anvertraut, die wir noch nie gesehen haben, geschweige denn ein Wort mit Ihnen gesprochen haben. Das war schon nicht besonders leicht für mich als Mutter mit einem sehr ausgeprägtem Kontrollzwang Beschützerinstinkt. Immerhin durften meine Kinder nicht vor dem zweiten Lebensjahr in die Kita aus dem einfachen Grund, dass ich wollte, dass sie sich mir gegenüber äußern können, wenn etwas verquer läuft.

Nun gut, mit 5 Jahren, nur ganz knapp von der 6 entfernt, sollte dies ohne Probleme möglich sein und Schule ist ja ohnehin noch einmal etwas anderes als Kita. So dachte ich damals. Wäre es nach mir gegangen, ich hätte meinen Prinzen noch ein Jahr länger in der Kita gelassen. Doch Kita und auch Schulärztin gaben ihr Go und so war der Lauf der Dinge quasi beschlossene Sache.
Im Nachhinein kann man sich vieles Fragen und überlegen, wie es hätte besser laufen können, doch alles das bringt nichts und so müssen wir die Situation nun so wie sie ist hinnnehmen und versuchen das Beste daraus zu machen.

Vor einem guten viertel Jahr brachten wir unseren Großen in die Klasse. Inzwischen waren wir daran gewöhnt, dass wichtige Informationen, sei es den Leistungsstand des Kindes oder eventuelle Verletzungen (und da gab es von der Schürfwunde bis zur gebrochenen Nase quasi schon alles innerhalb eines Schuljahres), nur auf genaue Nachfrage und ein wenig sticheln zu erhalten waren. So nahm das „Och, der Prinz macht sich eigentlich ganz gut“- Gespräch binnen weniger Sekunden eine Wendung zu „Nur damit Sies schon wissen, im nächsten Jahr wird er einen I-Status bekommen!“.
Ich werde jetzt hier nicht ins Detail gehen, inwiefern diese Frau sich falsch verhalten und auch im Ton vergriffen hat. Nur soviel: Ich verließ nach 10 Minuten mit Halsschlagader, hochroten Kopf und Nerven aufs mindeste Gespannt die Klasse und bin im Nachhinein wirklich erstaunt, wie höflich und zurückhaltend ich reagiert habe (der Mann war auch mehr als überrascht von meiner vermeintlichen Ruhe).
Zum besseren Verständnis sei noch gesagt, dass ich aus mehreren Gründen gegen und sie aus den falschen Gründen dafür war/ist.

Wir unternahmen einige Schritte um uns ein Schul- und Elternunabhängiges Bild von unserem Kind zu machen. Denn nichts ist schlimmer als Eltern, die auf ihren Standpunkt beharren und im Grunde keine Ahnung haben, wer oder wie ihr Kind ist. Die Experten (drei Stück an der Zahl) erzählten mir aber auch nur das, was ich ohnehin schon über mein Kind wusste und bestätigten mich in meiner Meinung. Um für das Kind einen besseren Schulalltag zu bekommen, gab ich den Experten die Genehmigung, sich mit der Lehrerin zu unterhalten und war froh, dass die Menschen mit beiden Füßen fest auf unserer Seite standen. Wirklich jeden belatscherte die gute Frau und versuchte ihre Meinung in die Akte der Experten zu bekommen, wirklich massiv und penetrant, wie mir zurück gemeldet wurde.

Nachdem die gute Frau nun auch auf dieser Ebene gescheitert war, muss sie sich einen neuen Schlachtplan überlegt haben, der da geheißen haben muss „Nun zeigen wir denen mal, wie blöd ihr Kind wirklich ist, dann knicken die schon ein!“
Seit mehreren Wochen weint sich unser Kind nun in den Schlaf, bekommt immer häufiger (nachweislich) mehr Hausaufgaben als die anderen Kinder der Klasse, benutzt Sätze wie „Ich bin nichts, ich kann nichts, mich kann man nicht lieb haben“ und schlimmeres. Mir zerreißt es das Mutterherz und der Mann fährt besonders aufmerksam Auto, nicht dass da jemand zu Schaden kommt…

Vor zwei Wochen erreichte die Geschichte ihren Gipfel, auf jeden Fall emotional gesehen und aus dem eigentlichen ‚Ich will zur Leitung‚ wurde ein ‚Ich brauche bitte eine Ummeldekarte für meinen Sohn‚. Morgen hospitiert mein Kind in seiner neuen Klasse, die er ab Sommer besuchen wird. Handverlesen durch mich, denn ich bin in der glücklichen Lage unterschiedliche Kontakte zu haben, die mir erlauben sehr tiefe Einblicke in die Arbeit der neuen Schule zu nehmen.

Ich erwarte durch einen Schulwechsel keine schulischen Wunder (aber hoffen wird man wohl dürfen?!) und mir ist auch klar, dass das Kind weiterhin irgendwelche Auseinandersetzungen mit Kindern oder (hoffentlich eher nicht) Lehrern haben wird. Das gehört einfach dazu und ist prinzipiell ja nicht schlimm.
Aber, und da bin ich mir sicher, ich weiß, dass es ihm nun wieder gut gehen wird. Sowohl in der Schule, als auch in der Betreuung.

Was ich mache wenn er in die Oberschule kommt? Tja, ich weiß noch nicht, aber es wird schwierig sein mein Kind einer fremden Institution anzuvertrauen. Vielleicht studiere ich ja doch noch auf Lehramt und unterrichte dann in einer Oberschule?! Oder baue mir zumindest in diese Richtung Freundschaften auf, ein wenig Zeit habe ich ja noch… 😉

Alt sein

Ich war ja noch nie so die Diskomaus. Tanzen, saufen, tanzen… und vor allem tanzen, das war nie so meins. Lieber bin ich auf Privatpartys gegangen und habe mich da nett mit den Leuten unterhalten (oder zum Karaoke überreden lassen). Nie, naja, einmal vielleicht, war ich so voll, dass ich bis heute nicht weiß, wie ich nach Hause gekommen bin. Saufen bis zur Kotzgrenze habe ich auch einmal versucht, war nicht so meins, Drogen jeglicher Art habe ich schon immer abgelehnt und so kann ich behaupten, ein sehr vernünftiger Teen/Twen gewesen zu sein. *auf Heiligenschein tipp*
Alkohol gibt es bei mir nur noch sehr selten und dann auch nur des Genusses wegen (man hat ja inzwischen die finanziellen Mittel und kann es sich leisten nur das leckere Zeug zu kaufen, statt des billigen Fusels 😉 ), meist fahre ich eh mit dem Auto und trinke deswegen lieber ne Cola. Lustig sein und dusselig quatschen kann ich immerhin auch so, da brauch ich keinen Alk.

Je oller desto doller, behauptet das Sprichwort. Ich hoffe, dass sich das auf den Pfefferminztee am Wochenende bezieht, den ich ohne mit der Wimper zu zucken in einem Schluck hinter kippe, während ich in der anderen Hand die Häkelnadel halte.
Nein, jetzt mal im Ernst: Ich unternehme immer noch gerne etwas am Wochenende und so ganz eigentlich hat sich da zu damals nichts verändert: Essen gehen mit Freunden, Kino, Theater, Comedy, Konzerte…
Und seit neuestem, man höre und staune, Spieleabende. Was ich in letzter Zeit Rummikub, Phase 10, Scrabble, o.ä. gespielt habe, habe ich in den letzten 15 Jahren nicht gespielt. Generell habe ich nur in der aller größten Not oder um jemanden einen Gefallen zu tun (so ähnlich hat es sich übrigens bei den Diskobesuchen verhalten) in meiner Freizeit ein Gesellschaftsspiel gespielt.
Seit neuestem liebe ich es.

Ich habe es sogar geschafft den Schatz zu infizieren, so dass er Abends das ein oder andere Mal fragt, ob ich Lust hätte mit ihm eine Partie zu spielen. Und als ich das erste Mal bei FB postete, was ich mit der Lieblingsvera spiele, kamen gleich Kommentare wie „Och, ich würde auch gerne“ oder ähnliches.
Wieso wusste ich denn nicht, dass ich solche Leute kenne?! War ich wirklich so ignorant, oder hat sich das bei den Leuten auch erst entwickelt? So saßen wir also am zweiten Weihnachtsfeiertag und zu Silvester mit Freunden und Familie an unserem Tisch und verspielten die Zeit ohne es zu merken.
„Das schreit nach einer Wiederholung!“ war beim Abschied zu hören und ja, ich hoffe darauf.

Es lässt sich also feststellen, dass ich noch immer am liebsten auf Privatfeiern gehe, um da gemütlich zu klönen; dass ich kulturelle Angebote sehr gerne besuche, auch um eventuell neue Interessen zu entdecken; dass ich mich gerne für Stunden in Büchern vergrabe; dass ich gerne Handarbeiten erstelle;  dass ich plötzlich Gesellschaftsspiele liebe.

Letztens sagte jemand zu mir, dass ich eben alt werde. Ja, stimmt, kann ich schließlich nicht aufhalten. Wenn aber diese meine Interessen ein Indiz für voran geschrittenes Alter sind, dann bin ich schon ganz schön lange alt. 😉

Termine zum ‚gemeinsam alt sein‘ vermerke ich mir gerne in meinem Kalender, spontanen Aktionen gegenüber bin ich aber auch offen 😉

Weihnachtsrückblick

Stellt euch vor, nein, ich habe nicht das Christkind gesehen. Aber ich habe eine EMail von unserem diesjährigen Weihnachtsmann bekommen.
Und das kam so:

In den vergangenen Jahren hatten wir so unsere liebe Not mit der Organisation eines Weihnachtsmannes. Mal machte es der Schwager, mal ein Kollege und ein anderes Mal dann der Mann von der lieben Dadedin, der für jemanden eingesprungen war, der kurzfristig absagte.
Das Problem an solchen Arrangements ist allerdings, dass diese auf Gegenseitigkeit beruhen und der Schatz zum einen für sowas nicht geschaffen ist zum anderen, dass man sich (und anderen) dadurch ein wenig den Tag zerreißt.

Dieses Jahr schaffte ich es dann doch tatsächlich fast rechtzeitig *räusper* (Ende November) in einer Agentur anzurufen (Angelas Engel- Agentur). Die Hoffnungen waren gering, dass wir so knapp vor kurz noch Glück haben würden einen Termin abzubekommen.
Am Telefon meldete sich eine Dame, ihre Stimme suggerierte mir sofort eine engelhafte Gestalt mit langem, blondem, lockigem Seidenhaar. Sie war (natürlich) super freundlich und so dermaßen in ihrer Rolle drin, dass ich einen Moment brauchte um zu verstehen, was sie mit der Frage „Wann und wo soll der Weihnachtmann denn mit seinen Rentieren landen?“ wissen wollte. Das ganze Gespräch über behielt sie diese Form der Gesprächsführung bei. Ich war am Ende so entspannt (die Dame kann bestimmt voll gut autogenes Training anleiten!) und begeistert, dass ich guter Dinge war.

Ein wenig  später kam dann die Buchungsbestätigung per Mail und auch diese war so süß… Ich glaube so oft und gerne habe ich noch nie irgendjemandem eine meiner Rechnungen gezeigt ^.^  Damit ihr auch mal hachzen könnt, hier ein kleiner Auszug: „… Sehr gerne bestätige ich Ihnen den Einflug der Weihnachtsmannes am… … der Preis für das Rentierfutter beträgt Xy Goldtaler…“ ist das nicht herzallerliebst?! ♥

Ein wenig hat man ja dann aber doch Angst, wenn man die Malheure anderer Familien mit gebuchten Weihnachtsmännern hört. Der eine spricht nur schlechtes „Türkendeutsch“, der nächste benutzt Schimpfwörter, ein anderer stinkt nach Alkohol und ist unmöglich gekleidet… Was würden wir bekommen? Wieso habe ich die erst beste Anzeige aus dem Kleinanzeigen-Ding genommen, ohne die Firma mal zu googeln? Mist, ich konnte nur abwarten und hoffen.

Dann kam der Anruf. Das Vorgespräch um genau Informationen zur Landung und über die Kinder auszutauschen. Er würde gerne mit der Familie ‚Oh Tannenbaum singen‘, wollte wissen, ob die Kids etwas vorbereitet hätten für ihn und ob wir Fotos machen wollen mit ihm zusammen.
Er hatte einen Akzent… „Ohoh…“ dachte ich im ersten Moment, immerhin muss man das ja den Kindern irgendwie verkaufen, wo die doch im TV und sonst überall nur die hochdeutsche Version zu sehen bekommen. Immerhin war er mega sympathisch, die Stimme wunderbar und irgendwie ist das ja schon mal die halbe Miete.

Den Kids erklärte ich dann, dass der Weihnachtsmann ja am liebsten auf englisch mit seinen Elfen und Wichteln spricht, weil die von überall herkommen und sich dann alle am besten verstehen. Das war vollkommen logisch für die Kids und die kleine nahm sich dann vor, während sie an der Weihnachtskarte für ihn bastelte, ihm ein Lied aus der Englisch-AG zu kredenzen.

Dann war es endlich so weit: Heiligabend und es klopfte an der Tür. Aufgeregt rannten die Kinder zur Tür Chrisrmasund kamen aufgedreht und -geregt zurück gerannt. Im Schlepptau einen wirklich prachtvollen Weihnachtsmann. Noch bevor er sich gesetzt hatte, hatten die Kinder ihm die Plätzchentüte mit der gebastelten Karte (und dem darin verbastelten Geld)  überreicht und lauschten dann ganz andächtig, was er zu sagen hatte. Es wurde gesungen, gelacht, gereimt und nach einer knappen halben Stunde war er dann wieder weg.

Und die Eltern waren begeistert und froh über einen solchen Glücksgriff! Das Kostüm war, wie man es wünscht, sehr plüschig und offensichtlich auch gut warm (naja, bei 15 Grad Außentemperatur wäre wohl auch so ein olles billig-Filzkostüm zu warm gewesen). Die Schuhe ordentlich weihnachtsmannstiefelig. Das goldene Buch richtig schön angealtert und sehr schlau. Aber am meisten hat uns der Mann selber begeistert. Er war so richtig schön herzlich im Umgang mit den Kindern, hat an der richtigen Stelle DAS perfekte Weihnachtsmannlachen gelacht und strahlte alles das aus, was man sich an Weihnachten so wünscht. Noch heute sprechen die Kinder davon, dass er sie in den Arm genommen hat zur Verabschiedung, dass sagt ja wohl alles, oder?!

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, dass ich mich gerne beschwere. Also an den richtigen Stellen. Aber ich kann auch loben (wobei ich da nicht weiß, ob ich das gut oder eher schlecht kann, aber ich versuche es 😉 Und genau das tat ich dann nach den Feiertagen auch per Mail an die Agentur. Ich bedankte mich und lobte alles, was uns gefallen hatte und der Bitte, genau diesen Mann nächstes Jahr wieder buchen zu können.

Und dann bekomme ich von unserem Weihnachtsmann eine Mail zurück, dass er sich sehr über das Lob gefreut hat. Und ein wenig erzählte er dann auch von sich:
Professioneller Schauspieler/Sänger aus NewYork, seit 2013 in Deutschland, mit einigen Drehs auch hier.
Aha, dass erklärt dann ja so einiges, und auch seine Vita (natürlich gleich im Netz gefunden) ist sehr interessant. ^.^ Hoffentlich entscheidet er sich auch in diesem Jahr wieder dazu, die Rolle des Weihnachtsmannes zu spielen, das Casting bei uns hätte er zumindest gleich schon mal im Sack! 😉

(Anfrage ob eine Verlinkung der Agentur erwünscht ist, ist raus und wird gegebenenfalls nachgelinkt ^^
EDIT: Die Agentur hat grünes Licht gegeben, der Link zur Agentur ist www.engel-in-berlin.de)

Ich bin nicht mehr da für euch…

Kennt ihr diese Freunde/ Familienmitglieder, die sich wirklich immer nur dann bei einem melden, wenn es ihnen schlecht geht, oder sie bei irgend etwas Hilfe benötigen, ansonsten aber deine Nummer nicht finden können?!

Im Laufe der letzten Jahre habe ich solche Leute quasi angesammelt. Das geht dann immer für eine gewisse Zeit gut, doch irgendwann platzt mir der Kragen und ich fange an zu sortieren. Dabei geht es nicht darum, dass die Leute sich immer und in regelmäßigen Abständen bei mir melden müssen, sie wissen ja nichts von meiner kalendarischen Strichliste *lach*. Aber so ab und zu mal eine Nachricht (egal über welches Medium) und sei es nur ein bisschen Smalltalk hat ja nun noch niemandem geschadet. Es sei denn, dieser findet nach wochenlanger Kontaktarmut statt und endet mit „… und dann wollte ich noch fragen, ob ihr mir bei dem oder diesem helfen könnt oder jemanden wisst…“ Ganz hoch im Kurs stehen vor allem die Leute bei denen man schon beim klingeln des Telefons weiß, wen sie sprechen wollen und um welche Bitte es sich im Großen und Ganzen handeln könnte. Ich habe da ein wirklich treffsicheres Gespür, der Schatz staunt schon gar nicht mehr, obwohl er noch immer nachhaltig beeindruckt ist.

Ich möchte auch nicht behaupten, dass es immer einfach ist, sich mit mir zu verabreden, aber wenn man wirkliches Interesse daran hat, findet sich immer ein Termin. Sowohl mit, als auch ohne Kinder. Natürlich ist unser Leben geprägt von einer 40-Stunden-Arbeitswoche (beim Schatz sogar im Schichtdienst), Terminen mit/für die Kinder und dem übrigen, oft lästigen, Orgazeug (einkaufen, Haushalt etc.). Und natürlich wohnen nicht alle mal gleich ums Eck, so dass sich Spontanbesuche nach der Arbeit eventuell noch lohnen könnten.

Ich weiß das natürlich alles und trotzdem frage ich mich, ob ich so ätzend bin, dass einige mich nur als Nutzkontakt (jemand den man nur im Telefonbuch hat für den Fall, dass er nützlich sein kann) in ihrem Smartphone haben. Langeweile, weil jemand anderes keine Zeit hat, wird ja auch total unterschätzt, da ruf ich mir doch lieber die Ätze an, als allein was zu starten…
Was aber vielen nicht bewusst ist: es fällt durchaus auf, wenn man so ausgenutzt wird. Unbewusst schmieren diejenigen einem das dann später aufs Brot, gerne durch Erzählungen like „Hach, ich hätte fast alleine in den Zoo gemusst, aber dann hatte XY ja doch noch Zeit, sonst hätte ich euch ja gefragt!“

Besonders gerne ärgere ich mich ja über Leute, denen ich aus Freundschaft (einseitig, wie sich dann später heraus stellt) den Ar*ch auf gut Deutsch hinter trage, bei Tag und Nacht auf Abruf bereit stehe um an ihrer Seite zu sein und am Ende kommt weder ein Dankeschön, noch sonst irgendwas. Nein, eher sehe ich dann, wie eben diese Leute mit `ihren Lieblingsmenschen´was trinken gehen, DVD-Abende machen und man ja so froh ist, dass man sie hat (von denen konnte man natürlich in der Zeit der Not niemanden kontaktieren, geschweige denn, dass jemand gekommen wäre… ).

Klinkt das jetzt alles ein wenig eifersüchtig?
Möglich!
Vielleicht ist das auch ein Teil des Problems, aber ich habe es so satt, dass ich so verarscht und ausgenutzt werde. Ich habe schon vor einiger Zeit begonnen die Leute zu testen, indem ich mich mehrfach melde und dann irgendwann aufhöre. Locker anfrage, was sie denn vorhaben und auf eine Verabredung warte. Kommt da nichts bei raus, wird aussortiert.  Natürlich nicht bei jedem, doch man kennt ja seine Pappenheimer… Denen kann ich nur sagen „Ich bin nicht mehr da für dich!“

Es gibt aber auch Freundschaften, die funktionieren super, obwohl man sich nur alle viertel Jahr mal sieht . Die vermisse ich oft schmerzlich, das wird mir aber erst bewusst, wenn man sich mal wieder gesehen hat, oder ewig mit einander geschrieben hat… Das schlimme ist ja, dass man so von den Problemmenschen eingenommen wird, dass man gar nicht im Blick hat, wer da noch so alles ist und von einem selbst vernachlässigt wird. Vielleicht sollte ich doch eine kalendarische Strichliste führen…

Jahresende

Und während ich hier so ganz emsig *hüstel* aufräume und der Rest meiner Familie schon einmal ein wenig der Müdigkeit heute Abend entgegen wirkt, komme ich nicht umhin über das vergangene Jahr nach zu denken.

Man wird immer so nostalgisch an Silvester, geht es euch auch so?! Oder liegt das einfach am Alter?

So sitze ich also im Herd, (naja zumindest fast, denn für Planschkuhbraten ist er vom Fassungsvermögen her nicht ausgelegt) und kratze schwarzen Käse von der letzten Pizza vom Boden, während mir klar wird, dass ich alles richtig gemacht habe. Nicht im Einzelnen, denn natürlich war  die ein oder andere Entscheidung keine Glanzleistung, der ein oder andere Streit vermeidbar, aber so im Großteil der Masse möchte ich schon behaupten können, erfolgreich gewesen zu sein.

Damit meine ich jetzt nicht unbedingt ausschließlich das vergangene Jahr, obwohl man das durchaus zu meinen erfolgreicheren zählen kann, sondern sagen wir mal die letzten sieben Jahren. Wenn ich daran denke, wie verzweifelt ich damals stellenweise war, wie schwer mir alles vor kam und wie hart einige (wenige) Menschen daran gearbeitet haben, dass ich mich nicht vollkommen aufgebe…

Heute geht es mir wirklich gut und bis auf die üblichen Problemchen einer Mutter (Unzufriedenheit mit dem Betreuungspersonal, Erziehungsproblematiken, etc) /Ehefrau (ein nicht erwachsen werdender Ehemann 😉 )/Kollegin (Muss man denn für alle mitdenken? Ach, sind die alle reizend! Wer war das? Was machen wir als nächstes?)/Freundin (Ich bin eine schlechte Freundin, danke das ihr trotzdem zu mir haltet! Wir brauchen mehr Dates! Ich vermisse euch! ♥), kann ich mich wirklich als problemfrei bezeichnen und es tut gut!

Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, wie sollte es auch anders sein, der größte Faktor war aber Mut.
Mut um Hilfe zu bitten, Mut die gebotene Hilfe anzunehmen.
Mut sich von negativen Variablen  zu trennen.
Mut sich auf Neues einzulassen.

Ich wünsche euch allen ganz viel Mut für das neue Jahr!