Chaos!!!

Ich gebe es zu, ich war noch die Ordentlichste. Schon als Kind war ich Ordnungsresistend und jegliche Drohungen und Bestechungen seitens meiner Mutter waren vergebens. War es nicht MEIN Zimmer? Sollte nicht ICH mich darin aufhalten? Was interessierte es mich, wie es andere fanden?!

Wenn ich nur lange genug durch hielt und mich so gar nicht muckte, kam ich irgendwann nach der Schule oder dem Spielplatz nach Hause und das Zimmer war komplett aufgeräumt. Sie hatte es in einem (wie ich annehme) Putzanfall, vermutlich gepaart mit Wut, aufgeräumt. Anfängliche Freude und Euphorie meiner Seits schlug schnell in Frust um, wenn ich dann etwas suchte und immer fragen musste „Mama, wo liegt denn dies und das?!“ und immer, wirklich immer ein „Wo es hingehört…“ als Einleitung mit entsprechender Zielbeschreibung kam. Nicht nur, dass manche Ablageorte mir vollkommen unlogisch und nicht durchdacht vorkamen, schon nach kurzer Zeit sah das Zimmer aus, als wäre dort nie etwas passiert. Wahrscheinlich Stundenlange Arbeit meiner Mutter konnte ich binnen kürzester Zeit vernichten.

Ziemlich früh wohnte ich dann mit meiner Jugendliebe (oh man… was mich da wohl geritten hat) zusammen und naja… Sagen wir mal so: wir haben uns beide nicht mit Ruhm bekleckert. Wobei man dazu sagen muss, dass ich damals viel arbeiten war (zuerst Arbeit mit teilweise 12 Stundenschichten und später neben der Ausbildung noch einen Nebenjob), im Gegensatz zu ihm, der nämlich gar keinem Job nachging, sondern Abends von der Couch aus noch fragte, was ich denn zu Essen machen würde (Man, man, man… Wie dämlich ich in jungen Jahren doch war.). Meine Einsicht neben Jobs und Einkauf und Nahrungsherstellung nun auch noch sauber zu machen, während gnädig Herr den ganzen Tag zu Hause vor seiner Wasserpfeife *räusper* war spärlich bis gar nicht vorhanden.

Dann kam die Zeit, in der mir das Schicksal den Ball zu warf. Ich musste mein Leben sofort und ganz flott komplett allein (Halleluja!) bewältigen. Ich versuchte durchzuhalten, nicht an mir selbst und den gerade auf mich einprasselnden Aufgaben zu scheitern. Damals lebte ich in einer Kapsel voller Pech und sowohl ich, als auch alle um mich herum, hatten das Gefühl, dass täglich etwas Neues kam. Ich fühlte mich allein trotz meiner toller Freunde, denn ich konnte nicht nach Hilfe fragen. Nicht weil ich keine zu erwarten hatte, sondern weil ich einfach nicht die Worte über die Lippen brachte. Und so versanken nicht nur meine 20er, sondern auch meine, eigentlich schnuckelige,  40m² – Wohnung im absoluten Chaos.

Irgendwie geht es aber doch immer weiter, nicht wahr?! Wenn sich Besuch ankündigte verschwand, je nach Besucher, das Schlimmste hinter einem Vorhang und Partnerschaftlich wurde es nie so eng, als das ich hätte auffliegen können. Naja, bis auf die ca. 300 losen (aber immerhin sauberen) Socken hinter der Couch, die allerdings eher zu vielen Lachern führten. Denn statt zu sortieren, kaufte ich einfach regelmäßig ein neues 10er-Pack für 5€, war ja auch viel bequemer, als sich die Zeit mit sortieren zu vertreiben.
Dann trat der Schatz in mein Leben.

Seit nun knappen 8 Jahren versuchen wir gemeinsam das zu erreichen, was andere haben: eine ordentliche Bude. Nun sind wir hier 4 Menschen in dieser Wohnung, die allesamt nicht unbedingt die Ordnungsvernatiger sind und mindestens 8-9 Stunden unter der Woche außer Haus sind. Gemeinsam sitzen wir viel lieber vor dem TV, spielen etwas oder sind draußen unterwegs. So bleibt natürlich eine Menge liegen (vor allem Wäsche *seufz*) beziehungsweise stehen und natürlich sind wir nicht sonderlich glücklich darüber. Nur schon alleine dieser Stress, wenn man verreist oder ein Wochenendtrip ansteht und man 3 Tage vorher täglich um die 4 Maschinen Wäsche wäscht (ein Lob auch auf unseren Trockner!), um für die Koffer dann auch wirklich alles zu haben. Schrecklich…

Wir geben uns wirklich Mühe und ja, unser Haushalt trifft nicht bei allen Menschen aus unserem Familien-/Bekanntenkreis auf Akzeptanz. Wir sind selbst20171104_215347.jpg auch nicht immer glücklich mit dem, was uns morgens erwartet, wenn wir über Schmutzwäsche im Flur steigen, die Schlüssel 10 Minuten auf dem zugerödelten Tisch suchen, keinen Platz finden um den Einkauf abzustellen oder es plötzlich an der Tür klingelt, weil jemand spontan die Idee hatte uns zu besuchen. Gestern haben wir uns Inspiration aus dem Internet für einen „Putzplan“ geholt und werden ihn ab Montag mal testen. Nicht, weil wir nicht wissen, was alles getan werden muss in einem Haushalt, sondern damit man es täglich vor Augen hat und dadurch so ein ganz klitzekleines Bisschen ordentlicher wird.

Auch die Kinder haben einen solchen Plan bekommen. Ich denke noch immer, dass in einem Kinderzimmer das Kind lebt und sich mit der Ordnung/Unordnung darin arrangieren muss. Ich muss da nicht rein, zumindest fällt mir kein plausibler Grund (bis auf Krankheit oder Unfall des Kindes) ein. Noch nicht einmal zum Wäscheschrank, denn den müssen die Kids seit ca. einem halben Jahr selber managen (Klamotten einsortieren und zu klein gewordene aussortieren), gelesen wird immer zusammen in unserem großen Bett… Ab und zu bestehe ich dann aber doch auf Laufschneisen und das auch nur, weil ich denke, dass sie sonst später genau so chaotisch werden wie ich, wenn sie gar nichts machen brauchen. Dann helfe ich auch, aber eher in der Form, dass ich ihnen sage, welcher Schritt als nächstes kommt.

Was ich noch nie gemacht habe und auch hoffentlich nie tun werde, ist dieses panische Tiptop-vom-Boden-essen-aufräumen. Das hat meine Mutter damals immer betrieben, wenn ihre Mutter uns mal besuchen kam. Klar, als Mutter von 5 Kindern wollte sie wahrscheinlich nicht so dastehen, als wäre sie mit der Situation überfordert. Schon gar nicht vor der eigenen Mutter, die immer ein tippitoppe Haus hatte und ihre Kinder Sonntags noch mit weißen Kleidchen geschmückt hat.
Hier bei uns liegen die Prioritäten eben auf unser Leben als Familie und wem  es zu unordentlich ist, der möge doch einfach nicht kommen, oder sich das Putzzeug in der Küche zusammen suchen und selber Hand anlegen.

Wie ich gerade jetzt auf diesen Beitrag komme? Morgen früh kommt eine Freundin mit ihren zwei Kindern zum Frühstück. Und obwohl ich eigentlich noch ein paar Klamotten weglegen müsste, den Wohnzimmerschrank mal wieder entstauben könnte, der kleine Tisch noch voller Chaos ist und die Schmutzwäsche im Flur bestimmt nicht vor hat alleine in den Keller zu laufen, poste ich hier. Die Küche ist sauber und das Badezimmer, zumindest das eine, ist geeignet um Gäste rein zu lassen. Und der Rest bleibt eben so. Es stört uns ja nicht beim frühstücken 😉

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Halloween 2017

Bis jetzt habe ich es fast jedes Jahr wirklich gut geschafft, mich und meine Kinder von diesem „Feiertag“ fern zu halten. Positiv unterstützend war bisher immer die Tatsache, dass  Halloween an einem ganz normalen Wochentag statt fand und wir somit alle bis mindestens 16:30 Uhr in den Einrichtungen waren um dann platt nach Hause zu kommen.

Dieses Jahr (ihr wisst schon, 500. Reformationstag, sogar Berlin nahm dies als Feiertag wahr) war es ein wenig schwieriger und wir waren zur Halloweenparty bei einer lieben Freundschaft eingeladen. Meine Kinder natürlich vollkommen aus dem Häuschen, die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren (heißt sie liefen seit 10 Uhr morgens im Kostüm durch die Wohnung) und ich freute mich einfach auf ein nettes Beisammensein.

Mal ganz unter uns: ich persönlich bin ja so gar nicht der Partymensch, Mottoparty sowieso nicht und den ganzen Kladeradatsch zu organisieren/vorzubereiten liegt nicht in meinem genetischen Material (genauso wenig wie dieses dekorieren zu Jahreszeiten/ Anlässen). Umso mehr Respekt habe ich vor Leuten, die das gerne machen. Ein bisschen kommt dann immer das schlechte Gewissen, denn auf Arbeit mache ich sowas ja durchaus wenn auch mehr gezwungen als voller Freude…

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Quelle: Gastgeberin

Als ich mit meinem kleinen „Sith Lord“ und meiner Hexe klingelte, betraten wir den Vorhof von Halloweentown und verließen ihn quasi rollend erst 6 Stunden später wieder. Während die anderen Kinder sich in ihrer direkten Nachbarschaft die Beutel füllen ließen, mussten meine Kinder allerdings drin bleiben.

Und spätestens da war mir mal wieder klar, was für tolle Kinder ich habe, denn auch wenn sie gerne mitgegangen wären, verständlicher Weise, haben sie dennoch genau gewusst, wieso sie nicht dürfen. Nach weniger als 15 Minuten waren die restlichen Kinder auch alle wieder da und alles war gut.

Wieso meine Kinder nicht mit durften? Wir bringen unseren Kindern bei, dass sie nicht mit fremden Leuten sprechen sollen und schon gar nichts ANNEHMEN sollen, bitte auch nicht in meiner Gegenwart. Und davon bin ich überzeugt, auch an Halloween (was im übrigen ganz stark damit zu tun haben wird, dass dieses „Fest“ nicht mit mir verbunden ist, weder kulturell, noch religiös oder sonst irgendwie). Es ist so ein bisschen, wie mit diesen Mottopartys: es ist okay, wenn andere das mögen, ich kann da aber nicht über meinen Schatten springen.
Nun kann ich davon ja halten was ich mag, meine Kinder wachsen trotzdem in einer Zeit auf, in der sich Halloween in Deutschland schon sehr etabliert hat und man eigentlich gar nicht mehr drum herum kommt. Mein Kompromiss den Kindern gegenüber ist, dass sie an Partys teilnehmen dürfen, sich (natürlich) verkleiden dürfen und dann bei den Lieblingsnachbarn und manchmal auch bei Familie und Freunden, klingeln können um ihren, ohnehin unendlichen, Vorrat an Zuckerzeug aufzufüllen.

So lief das dann auch dieses Jahr. Die Freundin versorgte die „armen“ Kinder ganz mitleidig mit gefühlten 50 kg Süßkram zusätzlich (neben den vielen Rotz- und Blutmuffins, den Mumienwürsten, Buhnananen…) zum mitnehmen, die Lieblingsvera verteilte auch nochmal 30kg und die Lieblingsnachbarn trugen, nach einem Bilderbuchschreck auch nochmal ihren Teil für die nächste Zahnbehandlung bei.

Vielleicht bin ich da ein bisschen sehr übervorsichtig, meinetwegen auch engstirnig oder komisch. Aber ich kann nun mal nicht aus meiner Haut raus und ich bin mehr als Dankbar dafür, dass ich so grandiose Kinder habe, die so viel schon verstehen und die Macken ihrer Mutter einfach (noch?!) hinnehmen.

Seine Brille, ihre Brille

Vor einem guten halben Jahr wurde bei unserem jährlichen Augenarztbesuch mit den Kindern festgestellt, dass das große Kind eine Brille benötigt. Natürlich war das nicht ganz so einfach, kennt ihr zufällig diese bösen Augentropfen, welche die Pupillen erweitern? Sie sind schon für den Erwachsenen ungefähr so angenehm wie ein spitzer Stein im Schuh bei einem Marathon. Mit dem Unterschied, dass man sich, theoretisch, der Notwendigkeit einer solchen Behandlung bewusst ist und sie ohne großen Aufhebens über sich ergehen lässt. Anders bei einem Kind. Die blöden Tropfen brennen und sollen im Abstand von jeweils 10 Minuten dreimal in beide Augen getropft werden. Schon beim aller ersten Tropfen, der die Netzhaut des Kindes berührt, war für mein Kind klar: meine Eltern wollen mich quälen, da spiel ich nicht!

Nun gut, dank gezuckerter Bestechung ging es dann doch irgendwie und die nette Frau Doktor stellte wie gesagt eine Weitsichtigkeit beim großen Kind fest. Wir bekamen ein Rezept mit den Werten und straksten damit gleich am nächsten Tag zum Optiker unseres Vertrauens.

Ich wartete auf den Kundenbetreuer und legte alles weitere in seine Hände. Brille aussuchen? Geht gar nicht! Weder habe ich für mich selbst ein gutes Gespür was eine passende Brille anbelangt (könnte daran liegen, dass ich die Modelle auf meiner Nase so gut wie gar nicht erkennen kann ohne Brillengläser), noch konnte ich mir meinen kleinen Mann mit einem Nasenfahrrad vorstellen. Ist ja auch irgendwie klar, immerhin hatte er die letzten 7 Jahre das makelloseste Gesicht der Welt und nun sollte da so ein olles Drahtgestell drauf?! Bäääähhh…
Während wir warteten, schaute sich der Prinz schon einmal ein wenig um und entdeckte auch relativ flott zwei grundlegend verschiedene Brillenmodelle, die ihm absolut gefielen. Das eine war ein Kunststoffbrille in schwarz/neongrün und die andere eine blaue Titanflexbrille. Ungewohnt sahen sie beide aus und da sie sich preislich auch nicht besonders viel nahmen, sollte die letzte Entscheidung beim Kind liegen, immerhin würde er das Teil ja mit Überzeugung tragen müssen. Die Titanflex bekam (zum Glück) den Zuschlag und nach noch nicht einmal einer halben Stunde waren wir wieder aus dem Geschäft und mein Sohn zählte quasi schon die Stunden, bis wir die Brille abholen würden.

Vor gut drei Wochen hatten wir wieder einen Termin beim Augenarzt, diesmal musste auch die Prinzessin in den sauren Apfel beißen und ich hatte das unglaubliche „Glück“ mir das Tropfendrama diesmal im Doppelpack geben zu dürfen (mein Beileid an alle Zwillingseltern, ich kann nur im Ansatz erahnen, was ihr teilweise durchleiden müsst).

Zuerst sprang der Große auf den Behandlungsstuhl und *HURRA* wir bekamen neue Werte für den Optiker (absehbarer Weise muss ich sagen!).
Da der Große so gar keine Lust hatte den Sehtest seiner Schwester beizuwohnen bzw. schwer davon abzuhalten war, ihr nicht vorzuflüstern, durfte er im Wartebereich nochmal ein Buch ansehen, während ich der Prinzessin seelischen Beistand leistete. „Also wir könnten jetzt nochmal die nächste Untersuchung in 3 Monaten abwarten oder jetzt schon mit einer Korrekturmaßnahme beginnen.“ sagte die Ärztin. Das Kind schaute fragend zur Ärztin, während ich sagte, dass es mir gleich wäre, ob man nun heute oder in drei Monaten eine Brille suchen müsste. Plötzlich sprang ein mehr als euphorisches Kind vom Stuhl, hüpfte mit „Ich darf eine Brille haben, ich darf eine Brille haben…“-Singsang durchs Behandlungszimmer, riß die Tür auf und kreischte überglücklich „Aaaaaaaallleeexxx, ich bekomm endlich auch eine Brille!!!!“

Die anderen Patienten lachten, die Ärztin freute sich über diesen Gefühlsausbruch („Sowas ist mir jetzt in 25 Jahren aber auch das erste Mal passiert!“) und die Arzthelferin versuchte das ausgeflippte Kind (vergeblich) lächelnd mit Gummibärchen zu beruhigen. Was musste also sofort geschehen? Richtig, wir mussten um 18:30 Uhr noch schnell den Optiker überfallen. Dort kamen wir dann um 20:10 Uhr mit einem todunglücklichem und weinenden Kind wieder heraus, denn es gab dort KEINE Brille, die ihr entweder gepasst, gefallen oder gestanden hätte. DRAMA BABY!
Dieses Problem hatten wir bei noch 10 (!) weiteren Optikern. Ihr könnt euch meine Verzweiflung sich vorstellen?! „Deine Brille muss erst designt werden!“ sagte ich zu ihr, wobei mir plötzlich die Arzthelferin einfiel, die von einem Optiker in der Nähe sprach, welcher Haribo-Brille hatte, die ausgesprochen flexibel sowohl im Material, als auch in der Gestaltung seien. 17-10-08-19-25-30-345_deco.jpg

Also wir sofort dorthin und ENDLICH fanden wir das Gesuchte! Prinzessin suchte sich die Form der Gläser und die Farben der einzelnen Bauteile zusammen und bekam endlich DIE perfekte Brille, die sie tatsächlich „selber“ designt hatte. Natürlich in ihren Lieblingsfarben neonpink/neongelb, passend zu ihrem Ranzen! Nach gerade mal 4 Tagen war das gute Stück schon abholbereit und endlich kehrte wieder Ruhe und Glückseligkeit ins Mädchenherz ein.

Meine Güte, was war das für eine Tortur! Erst recht, wenn man den Brillenkauf des Prinzen im Hinterkopf hat, wo es zwei passende Brillen im ersten Laden gab und man nur zu warten brauchte, für welches Modell er sich denn letztlich entscheiden würde. Hoffentlich wächst sie nicht allzu schnell aus dem Gestell bzw. der Produktlinie heraus, damit mir eine erneute Suche erspart bleibt!

 

Kita adé

Wir haben es geschafft, das Kindergartenalter liegt nun gänzlich hinter uns und ich bin so froh darüber!
Zum einen habe ich dadurch jetzt morgens sehr viel mehr Zeit, denn aus zwei morgendlichen Wegen ist nun einer geworden. Zum anderen war die Prinzessin mehr als reif und hat uns zu Hause schon mit etlichen schulischen Dingen terrorisiert, die wir doch versucht haben so lange wie möglich zu meiden, um sie in der ersten Klasse nicht zu unterfordern.

Endlich haben wir zwei Schulkinder daheim. Ich nenne es einfach mal elterlichen Luxus im Schafsstall. Wo noch vor gar nicht allzu langer Zeit Windeln, Feuchttücher und Wasserflaschen den elterlichen Alltag bestimmt haben, herrschen nun Stifte, Papier, Kleber und Playmobil vor. Wenn ich gefühlt noch gestern der Alleinanimateur mit Handpuppen und Fingermalfarben war, darf (aber muss nicht) ich nun „11er raus“, „Mister Pups“ oder „Mensch ärgere dich nicht“ spielen. Habe ich nicht noch vor kurzem den ganzen Tag nach Arbeit die Kinder betüddelt und mich erst Abends um mich und meine Belange gekümmert, kann ich nun auch einfach auch mal am Tage meinen Interessen und Aufgaben nach gehen.

Das hört sich schrecklich an, nicht wahr?
Ich habe es gemocht mit meinen kleinen Monstern über Teppiche zu krauchen, Krabbel- und Frühmusikalischegruppen zu besuchen. Ich habe jede neue Entwicklung mit Argusaugen überwacht und ersehnt um sie dann stolz der ganzen Welt zu präsentieren. Aber eben auch nur so lange es nötig war. Bis 19 Uhr Vollblutmama. Dann kam das Sandmännchen und ich kroch auf dem Zahnfleisch langsam in Richtung Mandysein. Ab 19:15 Uhr war die Wandlung dann vollbracht, denn die Kinder hatten ihre Gute-Nacht- Geschichten und schliefen seelig. Manchmal hatte ich keinen Elan mehr aber doch riesige Lust und Sehnsucht einem meiner Hobbys nach zu gehen, so dass ich dann erst die Wolle, ein Buch oder die Nähmaschine hervor holte. Beim arbeiten kam auch der Elan zurück, so dass ich manchmal bis 4 Uhr morgens saß und dann schnell ins Bett sprang, um wenigstens noch ein bisschen zu schlafen, bevor um 6:45Uhr der Wecker klingelte.

Seit einiger Zeit hat sich das alles etwas geändert. Die Kinder wurden größer und selbstständiger. Sie fingen immer mehr an, miteinander zu spielen oder sich alleine zu beschäftigen. Mama war plötzlich immer weniger nötig um der Langeweile den Garaus zu machen. Der Mann fing dann an, einmal in der Woche zu einem Vater-Kind-Turnen zu gehen und auch das wöchentliche Schwimmtraining zu  übernehmen. Dabei vergas er nie, mich darauf aufmerksam zu machen, es mir in den Stunden gut gehen zu lassen.

Endlich kann man Ausflüge wesentlich entspannter entgegenblicken. Nichts mit 1000 Artikel ins Auto quetschen um dann doch dies oder das vergessen zu haben. Inzwischen bräuchte man inzwischen gar nichts mehr mitzunehmen. Natürlich packt man trotzdem noch einen Rucksack mit ein paar Kleinigkeiten zusammen, aber was man nicht einpackt, ist eben nicht dabei und wird entweder unterwegs durch etwas anderes ersetzt oder eben nicht. Außerdem muss man die Kinder nicht mehr jede Sekunde im Blick haben, weil man Angst haben muss, dass sie ins Lagerfeuer rennen, in den Pool stürzen, Steckdosen inspizieren, gefährliche oder fremde Tiere anpatschen, sich irgendetwas gefährliches/ giftiges in den Mund stecken, irgendwo drauf klettern und verglücken, einfach auf die Hauptstraße rennen und so weiter.

Was nicht heißt, dass Frau und Mann so gar nichts mehr zu tun haben, sich auf die17-10-06-11-31-51-944_deco.jpg Bank setzen und chic ist. Da kommen wir erst im nächsten Lebensabschnitt (der sich Pubertät nennt und mir jetzt schon Angst und schlaflose Nächte bereitet) hin. Als Mutter weiß ich, was meine Kleinen können (also meistens), aber man(dy) geht ja immer vom Fehlverhalten der anderen aus. So hat man dann doch immer ein Auge auf die kleinen Menschen, im besten Fall so, dass sie es gar nicht merken: im Schwimmbad damit sie nicht gestuckt werden oder jemand auf sie springt; auf Spielplätzen oder öffentlichen Plätzen, damit kein Fremder sie mitnimmt oder anspricht; beim Radfahren, damit sie nicht von anderen übersehen werden…

Und doch, der Abschnitt Kitaalter war irgendwie auch schön. Sehr intim und geprägt von nie enden vollenden Phasen, die sich einfach nur abklatschten, manchmal laut, manchmal leise. Teilweise gesundheitlich anstrengend, oft emotional sehr rasant.

Nun sind beide Kinder im Grundschulkindalter und obwohl wir beim Großen starke Startschwierigkeiten hatten, ist es nun nur noch aufregend, wenn Tests bevorstehen. Kann es sein, dass dieser Abschnitt der ruhigste im Elterndasein ist?!

Ich bin gespannt…

Gedankenblase

17-10-01-20-51-39-959_deco.jpgLange und viel habe ich mit mir gehadert, ob ich nicht mal wieder schreiben möchte. Es gab so viele Dinge, die mich belastet haben. Im privaten Umfeld, im virtuellen Leben, beruflich… Ich fing wieder an Tagebuch zu schreiben. So ganz oldscool mit Füller und auf echtem Papier. Nicht täglich, um Gottes Willen, aber doch regelmäßig. Eigentlich immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dies oder das würde ich jetzt gerne bloggen wollen.

Niemand wird gerne angefeindet oder gar bedroht. Dies bezieht sich (natürlich) auf das reale Leben, aber auch auf das virtuelle. Wo man im social Media noch recht geschützt unterwegs ist, da man sich die Menschen aussuchen kann, von denen man liest, ist man auf einem Blog doch recht „ausgeliefert“.
Natürlich kann man die Kommentare ignorieren, nur mit Freischaltung veröffentlichen etc. Und dennoch trifft es einen. Man beginnt Beiträge nicht mehr zu veröffentlichen und irgendwann geht man gar nicht mehr auf die Internetseite, weil man keine Lust mehr darauf hat wieder eklige Dinge zu lesen, die einem wildfremde (!) Menschen, anonymisierte Bekannte, ehemalige Freundschaften oder „Familie“ an den Kopf werfen. Im Internet sind immer alle so stark, doch wer kann von sich behaupten, all das, was er mir geschrieben hat, auch ins Gesicht zu sagen? Ich bin mir sicher, dass es da niemanden gibt und dennoch nagt  es an mir und ich hatte die Lust verloren.
Zwischendurch dachte ich, es sei DIE Lösung, Beiträge zu schreiben, die man nur mittels Passwort erreichen kann. Doch stellte ich schon beim ersten fest, dass das so auch nicht funktioniert. Aktuell befinden sich 97 unveröffentlichte Beiträge hier auf dem Blog und ich bringe es nicht übers Herz sie zu löschen. Das sie nicht veröffentlicht werden, da ihre Zeit und Aktualität inzwischen vorüber sind, steht außer Frage und dennoch, sie bleiben wo sie sind, vielleicht als Mahnmal, vielleicht als Inspiration aber ganz sicher, als virtuelle Erinnerung.

Inzwischen habe ich mich auf allen Ebenen des Lebens wieder gefasst und bin auch wieder bereit, mich dem Thema bloggen zu stellen. Ich fühle mich endlich wieder gewappnet, habe neue Methoden für mich entwickeln können und werde es wieder angehen. Nicht zuletzt dank des Zuspruchs lieber Menschen, die mich in letzter Zeit mehrfach darauf stießen, dass ich es wieder wagen sollte.

An all jene, die meinen, ihren Unmut und ihre persönliche Unzufriedenheit mir gegenüber nur in der anonymisierter Form bewältigen zu können: Tut es ruhig, wenn ihr dann endlich abschließen könnt und euer Leben beginnen könnt zu leben. Aber wartet nicht auf eine Antwort oder einen Kommentar von mir. So etwas können nämlich nur Menschen erwarten, die mit mir sprechen.

Wir schaffen das

Heute kam mein Großer nach der Schule zu mir und zeigte mir sein Elternheft. Mit gemischten Gefühlen nahm ich es entgegen, schaute mir meinen Sohn an und öffnete langsam das Heft. 

Im letzten Schuljahr bekamen wir jeden zweiten Tag  (gefühlt) das Elternheft und mussten Dinge lesen, die einen als normalen Mensch schon komisch gucken lässt, als liebende Mutter aber den blanken Hass hochsteigen lässt. Man(dy) war sich nicht sicher, ob die gute Frau, die da so negativ von diesem tollen Kind schreibt, überhaupt weiß, wessen Heft sie da beschriftet. Ich war irgendwann dann emotional schon so abgedrehten, dass ich nur schon beim aufklappen des Hefts  (wortwörtlich) rot sah und versprach, dass ich in gewissen Situationen nicht für die Funktionalität meiner Bremsen garantieren würde. 

Heute nahm ich also das neue Elternheft  (das alte habe ich voller Freude zerrissen und vor 3 Wochen entsorgt) in die Hand, auf das Schlimmste vorbereitet; schon tröstende Worte für meinen kleinen Schatz im Hinterkopf. 

Und dann sehe ich einen kleinen, einsamen Satz. Kurz und knapp, ein wenig unscheinbar zwischen den Mitteilungen über Hausaufgaben, die inzwischen recht ordentlich vom kleinen Mann eingetragen wurden und beginne zu weinen. 

Dieser Satz hat kein reißerisches Potential oder wird jemals in einem Geschichtsbuch erscheinen (naja, wer weiß was aus dem kleinen Mann mal wird 😉)  und doch… 

Dieser kleine Satz bezeugt den erfolgreichen Schulwechsel. Er beweist, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, dass wir richtig damit lagen nicht der Lehrerin zu glauben, sondern auf unser Gefühl und unserem Kind vertraut haben. 

An der an der alten Schule war er der Junge, der als LRS-Kind abgestempelt war und ständig aus dem Unterricht genommen wurde, weil er einfach nichts verstehen würde und deshalb der besonderen Aufmerksamkeit der Sonderpädagogin bedurfte. Heute war er der Junge, der von der strengsten Deutschlehrerin der Schule ein Lob ins Elternheft bekommen hat und sich inzwischen sehr gut in der Schule macht. 

Dieser kleine Kerl schaut mich stolz an, sieht meine Freudentränen, nimmt mich in den Arm, gibt mir einen Kuss auf den Hals und flüstert mir ins Ohr, dass ich nicht weinen muss, weil es ihm endlich gut in der Schule geht. 

Es gibt Lehrer die können Kindern das Leben zur Hölle machen, aber zum Glück gibt es auch die anderen und von denen gibt es zum Glück viel mehr, als es in Zeiten der Not scheinen mag. 

Der kleine, starke Mensch ist nun über den Berg und ich, ich bin langsam auf dem Weg zur Spitze.