Die Theorie ist da, der Schweinehund auch

„Abnehmen blabla… Sie sind einfach zu dick blabla… Das bedingt das Krankheitsbild noch blabla… Wir müssen das gut im Auge behalten, nicht das blabla… „

In den letzten Wochen war ich so oft beim Arzt, ich hatte irgendwann schon das Gefühl, die Praxis würde mir beim nächsten Termin den roten Teppich ausrollen und mir voller Stolz die neuerworbenen medizinischen Geräte vorführen, an denen eine Messingplakette mit meinem Namen dran befestigt ist. Ist natürlich nicht passiert, aber was nicht ist, kann ja noch kommen 😉

Ich kenne den Arzt nun schon seit meiner Jugend und schätze seine offene Art, wie er die Dinge ohne viel Palaver auf den Punkt bringt und seine Fachlichkeit sehr. natürlich, ich könnte empört sein und so tun, als hätte ich es noch nicht selber gemerkt, dass ich immer dicker geworden bin. Aber wieso sollte ich? Ich behaupte nicht, dass es mir gut geht. Denn abgesehen von dieser wirklich nervigen Sache mit dem Magen (Chronische Gastritis) und dem Reflux (Primäre Refluxkrankheit), bekomme ich regelmäßig einen 20171011_173325.jpgHeulkrampf, wenn ich mir mal wieder Klamotten kaufen muss (die Auswahl an altersgerechter Klamotten in Größe Elefant ist doch recht beschränkt, wenn man nicht gerade vor hat sein Monatsgehalt in ein Zirkuszelt zu stecken) und die dicke Sumpfkuh mit all ihrem Schwabbel und den nicht sitzenden Kleidungsstücken im Garderobenspiegel sehe.

Am schlimmsten sind aber die anderen Menschen. „Also du musst doch nur… Wenn du dies und das… Ich habe das so und so gemacht… Ich verstehe gar nicht…“ ich möchte niemandem unterstellen, dass er mir böses will (zumindest nicht die Menschen in meinem näheren Umfeld) und dennoch möchte man einfach nur ganz offensichtlich die Augen rollen und ganz beherzt und laut stöhnen. Mache ich nicht, bringt ja doch nichts und die Leute fühlen sich auch noch vor den Kopf gestossen, denn sie wollten ja nur helfen. Manchmal frage ich dann aber zumindest, was sie denken, wieso ich es nicht schaffe und das, obwohl die Theorie vorhanden ist. Ich kenne die Do und Dont’s im Ernährungswirrwarr und schaffe sie auch alle eine Zeit lang in meinem Alltag zu integrieren. Doch spätestens, wenn das Gewicht stagniert und das, obwohl ich wirklich ALLES gebe, mich noch einmal für einige Zeit doppelt ins Zeug lege und dennoch nichts purzelt, dann falle ich zurück. Ich nasche wieder die ein oder andere Pizza am Abend; fahre das Maximum an Bewegung so weit hinunter, wie es als Erzieher und Mutter von zwei jüngeren Kindern inklusive Hund eben geht und ignoriere geflissentlich die  tägliche minimalen Flüssigkeitsaufnahme.

Doch ich möchte mich nicht beschweren. Ich komme in der Regel ganz gut klar und wenn man mal ehrlich ist, was für Freuden bleiben einem denn, wenn Alkohol und Nikotin wegfallen?
Entschädigt nicht so eine „kleine“ Packung Kinderriegel für die nicht gemachten Raucherpausen auf Arbeit?
Kann man nicht den Stress und den Ärger viel besser ertragen, wenn man sich mal eben schnell was zwischen die Kiemen wirft?
Und dann diese Langeweile, die jeden Rauchen zur Zigarette greifen lässt. Wie ferngesteuert werden die JellyBeans in den Mund geworfen ohne das man überhaupt mitbekommen hat, dass die Familienpackung binnen kürzester Zeit von einem allein gefressen wurde.
Und wenn das Essen so lecker war, darf ich dann etwa nicht essen, bis die Auflaufform leer ist, und sei es nur aus „lecker“ statt aus „Hunger“? Ich kann die Ziege aus Tischlei-deck-dich schon verstehen. Manchmal geht es mir im Restaurant auch blitzartig durch den Kopf „Wie soll ich davon denn satt werden?!“ und bestelle sicherheitshalber noch etwas als Vorspeise und einen Nachtisch.
Ja, ich kenne meine falsch an trainierten Muster. Ja, ich kann nicht gut über meinen Schweinehund herrschen. Ja, ja, ja…

Mir helfen aber keine kleinen Portionen mit Zwischenmahlzeiten (für die habe ich nämlich in der Regel keine Zeit!). Mir bringt kein Shitday etwas, wenn ich den Rest der Woche nur Hungermahlzeiten bekomme. Ich will, will, will keine Kalorien zählen (da muss man nämlich aufpassen, dass es einen nicht kaputt macht, sagte mir mal eine liebe Freundin). Diäten kannste eh alle vergessen, Ernährungsumstellung ist das Zauberwort. Lässt sich aber schlecht in meinem Leben, wie ich es führe, integrieren und soweit, dass ich es integrieren möchte und dafür mein Lebensstil umkrempel, bin ich eben doch noch nicht.

Sogar über eine OP habe ich zwischenzeitlich voller Verzweiflung nachgedacht. Nach einiger Zeit habe ich es dann aber doch verworfen (und das, obwohl ich laut Krankenkasse keine Probleme in Sachen Übernahme zu erwarten gehabt hätte). Zum einen birgt jede OP ein Risiko und zum anderen ist es doch überhaupt nicht sinnvoll, durch einen operativen Einsatz Gewicht zu verlieren, aber langfristig nichts am Lebensstil zu ändern, oder?!

Um zurück zum Anfang zu kommen:
Als der Arzt also bei unserem Auswertungsgespräch so dahin erzählte und eigentlich auch mit mir schimpfte, da er weiß, dass ich den richtigen Weg kenne, seufzte ich nur, gelobte Besserung und fiel dann aus allen Wolken, als er mir das böse Wort mit K um die Ohren schmiss. Als Auslöser wurde die Gastritis vorgeschoben, welche wiederum mit dem Reflux zu tun hat, welcher wiederum aus dem Übergewicht resultieren KÖNNTE.  Bei der Spiegelung des Magens hatte man etwas entdeckt, konnte aber alles dank einer Gewebeprobe relativieren. Der Schreck saß natürlich trotzdem.

Dafür hat er mir dann die intestinale Fructoseintoleranz mit auf den Weg gegeben, welche es nun erst einmal zu erkunden und auszutesten gilt. Wenn ich es negativ sehen möchte, heißt das für mich die nächsten Wochen verhungern (in Phase eins wird versucht gänzlich auf Fructose zu verzichten) und meine Laune möchte ich ja auch nicht ertragen müssen. Wenn ich es positiv bezeichnen mag, könnte ich versuchen den kalten Entzug zu nutzen und somit zumindest einen Anfang zu schaffen. Außerdem werden ein paar Pfündchen dabei schon verschwinden.
So oder so: ich vermisse das Zeug jetzt schon! Sterben werde ich an dem Umstand mit Sicherheit nicht, für andere kann ich jedoch keine Garantien ausschreiben schwierig wird es aber allemal.

Wünscht mir Glück und gebt mir keine Ratschläge 😉

 

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Chaos!!!

Ich gebe es zu, ich war noch die Ordentlichste. Schon als Kind war ich Ordnungsresistend und jegliche Drohungen und Bestechungen seitens meiner Mutter waren vergebens. War es nicht MEIN Zimmer? Sollte nicht ICH mich darin aufhalten? Was interessierte es mich, wie es andere fanden?!

Wenn ich nur lange genug durch hielt und mich so gar nicht muckte, kam ich irgendwann nach der Schule oder dem Spielplatz nach Hause und das Zimmer war komplett aufgeräumt. Sie hatte es in einem (wie ich annehme) Putzanfall, vermutlich gepaart mit Wut, aufgeräumt. Anfängliche Freude und Euphorie meiner Seits schlug schnell in Frust um, wenn ich dann etwas suchte und immer fragen musste „Mama, wo liegt denn dies und das?!“ und immer, wirklich immer ein „Wo es hingehört…“ als Einleitung mit entsprechender Zielbeschreibung kam. Nicht nur, dass manche Ablageorte mir vollkommen unlogisch und nicht durchdacht vorkamen, schon nach kurzer Zeit sah das Zimmer aus, als wäre dort nie etwas passiert. Wahrscheinlich Stundenlange Arbeit meiner Mutter konnte ich binnen kürzester Zeit vernichten.

Ziemlich früh wohnte ich dann mit meiner Jugendliebe (oh man… was mich da wohl geritten hat) zusammen und naja… Sagen wir mal so: wir haben uns beide nicht mit Ruhm bekleckert. Wobei man dazu sagen muss, dass ich damals viel arbeiten war (zuerst Arbeit mit teilweise 12 Stundenschichten und später neben der Ausbildung noch einen Nebenjob), im Gegensatz zu ihm, der nämlich gar keinem Job nachging, sondern Abends von der Couch aus noch fragte, was ich denn zu Essen machen würde (Man, man, man… Wie dämlich ich in jungen Jahren doch war.). Meine Einsicht neben Jobs und Einkauf und Nahrungsherstellung nun auch noch sauber zu machen, während gnädig Herr den ganzen Tag zu Hause vor seiner Wasserpfeife *räusper* war spärlich bis gar nicht vorhanden.

Dann kam die Zeit, in der mir das Schicksal den Ball zu warf. Ich musste mein Leben sofort und ganz flott komplett allein (Halleluja!) bewältigen. Ich versuchte durchzuhalten, nicht an mir selbst und den gerade auf mich einprasselnden Aufgaben zu scheitern. Damals lebte ich in einer Kapsel voller Pech und sowohl ich, als auch alle um mich herum, hatten das Gefühl, dass täglich etwas Neues kam. Ich fühlte mich allein trotz meiner toller Freunde, denn ich konnte nicht nach Hilfe fragen. Nicht weil ich keine zu erwarten hatte, sondern weil ich einfach nicht die Worte über die Lippen brachte. Und so versanken nicht nur meine 20er, sondern auch meine, eigentlich schnuckelige,  40m² – Wohnung im absoluten Chaos.

Irgendwie geht es aber doch immer weiter, nicht wahr?! Wenn sich Besuch ankündigte verschwand, je nach Besucher, das Schlimmste hinter einem Vorhang und Partnerschaftlich wurde es nie so eng, als das ich hätte auffliegen können. Naja, bis auf die ca. 300 losen (aber immerhin sauberen) Socken hinter der Couch, die allerdings eher zu vielen Lachern führten. Denn statt zu sortieren, kaufte ich einfach regelmäßig ein neues 10er-Pack für 5€, war ja auch viel bequemer, als sich die Zeit mit sortieren zu vertreiben.
Dann trat der Schatz in mein Leben.

Seit nun knappen 8 Jahren versuchen wir gemeinsam das zu erreichen, was andere haben: eine ordentliche Bude. Nun sind wir hier 4 Menschen in dieser Wohnung, die allesamt nicht unbedingt die Ordnungsvernatiger sind und mindestens 8-9 Stunden unter der Woche außer Haus sind. Gemeinsam sitzen wir viel lieber vor dem TV, spielen etwas oder sind draußen unterwegs. So bleibt natürlich eine Menge liegen (vor allem Wäsche *seufz*) beziehungsweise stehen und natürlich sind wir nicht sonderlich glücklich darüber. Nur schon alleine dieser Stress, wenn man verreist oder ein Wochenendtrip ansteht und man 3 Tage vorher täglich um die 4 Maschinen Wäsche wäscht (ein Lob auch auf unseren Trockner!), um für die Koffer dann auch wirklich alles zu haben. Schrecklich…

Wir geben uns wirklich Mühe und ja, unser Haushalt trifft nicht bei allen Menschen aus unserem Familien-/Bekanntenkreis auf Akzeptanz. Wir sind selbst20171104_215347.jpg auch nicht immer glücklich mit dem, was uns morgens erwartet, wenn wir über Schmutzwäsche im Flur steigen, die Schlüssel 10 Minuten auf dem zugerödelten Tisch suchen, keinen Platz finden um den Einkauf abzustellen oder es plötzlich an der Tür klingelt, weil jemand spontan die Idee hatte uns zu besuchen. Gestern haben wir uns Inspiration aus dem Internet für einen „Putzplan“ geholt und werden ihn ab Montag mal testen. Nicht, weil wir nicht wissen, was alles getan werden muss in einem Haushalt, sondern damit man es täglich vor Augen hat und dadurch so ein ganz klitzekleines Bisschen ordentlicher wird.

Auch die Kinder haben einen solchen Plan bekommen. Ich denke noch immer, dass in einem Kinderzimmer das Kind lebt und sich mit der Ordnung/Unordnung darin arrangieren muss. Ich muss da nicht rein, zumindest fällt mir kein plausibler Grund (bis auf Krankheit oder Unfall des Kindes) ein. Noch nicht einmal zum Wäscheschrank, denn den müssen die Kids seit ca. einem halben Jahr selber managen (Klamotten einsortieren und zu klein gewordene aussortieren), gelesen wird immer zusammen in unserem großen Bett… Ab und zu bestehe ich dann aber doch auf Laufschneisen und das auch nur, weil ich denke, dass sie sonst später genau so chaotisch werden wie ich, wenn sie gar nichts machen brauchen. Dann helfe ich auch, aber eher in der Form, dass ich ihnen sage, welcher Schritt als nächstes kommt.

Was ich noch nie gemacht habe und auch hoffentlich nie tun werde, ist dieses panische Tiptop-vom-Boden-essen-aufräumen. Das hat meine Mutter damals immer betrieben, wenn ihre Mutter uns mal besuchen kam. Klar, als Mutter von 5 Kindern wollte sie wahrscheinlich nicht so dastehen, als wäre sie mit der Situation überfordert. Schon gar nicht vor der eigenen Mutter, die immer ein tippitoppe Haus hatte und ihre Kinder Sonntags noch mit weißen Kleidchen geschmückt hat.
Hier bei uns liegen die Prioritäten eben auf unser Leben als Familie und wem  es zu unordentlich ist, der möge doch einfach nicht kommen, oder sich das Putzzeug in der Küche zusammen suchen und selber Hand anlegen.

Wie ich gerade jetzt auf diesen Beitrag komme? Morgen früh kommt eine Freundin mit ihren zwei Kindern zum Frühstück. Und obwohl ich eigentlich noch ein paar Klamotten weglegen müsste, den Wohnzimmerschrank mal wieder entstauben könnte, der kleine Tisch noch voller Chaos ist und die Schmutzwäsche im Flur bestimmt nicht vor hat alleine in den Keller zu laufen, poste ich hier. Die Küche ist sauber und das Badezimmer, zumindest das eine, ist geeignet um Gäste rein zu lassen. Und der Rest bleibt eben so. Es stört uns ja nicht beim frühstücken 😉

Was ist für dich Urlaub?!

Gestern waren wir bei den Schwiegereltern und ich versuchte meinem Schwiegervater zu erklären, was für mich Urlaub überhaupt bedeutet, was sich ein wenig schwierig gestaltete, da ich (was ich aber schon öfter feststellte) eine komplett andere Auffassung von dem Wort „Urlaub“ habe, als andere Menschen. Was natürlich einiges in der Kommunikation erschwert, wenn man davon ausgeht (was der Mensch gewohnheitsgemäß tut), dass alle am Tisch dieselbe Definition von einem Begriff haben.

Urlaub bei meinem Mann und auch meinem Schwiegervater:
Mit dem Auto 100 Stunden irgendwohin tingeln und: 2 Wochen Urlaub auf einem Campingplatz in einem Zelt/ Wohnwagen irgendwo in der schönen Natur; 2 Wochen auf einem Bauernhof; 2 Wochen in einer Ferienwohnung irgendwo auf der Welt; Kinder verschicken und alleine mit dem Partner eine schöne Reise nach sonst wo.
Urlaub für mich:
Schön mit meinem Mann und den Kindern irgendwo hinfliegen (und zwar vom Heimatflughafen aus): in ein wunderbares Hotel für 10- 14 Tage mit Pool, direkte Strandlage, Kinderanimation, All-Inclusive, zwei bis vier angeleitete Ausflüge, ein bisschen auf eigener Faust unterwegs sein… Der Ort ist bedingt wichtig. Zum einen möchte ich eine „Schönwettergarantie“, denn schlechtes bzw. unpassendes Wetter habe ich in den heimatlichen Gefilden oft genug. Zum anderen möchte ich nicht zweimal ins gleiche Land, Kurzurlaube ausgenommen.

Und *zack* kann man auf die entstehende Diskussion warten. Der Schwiegervater versucht einem die Vorteile und die Schönheit der italienischen Campingplätze zu erklären, die es ja auch inzwischen mit Spaßbadanschluß und Kinderclub gibt, während der Mann nicht müde wird zu sagen, dass er den Versuch schon 100 Mal gewagt hat und ich mich ja aber immer wehre, wo ich ja noch nie campen war *hust*. Also greift Schwiegervatern ganz tief in seine Erfahrungskiste und erzählte von vergangenen Urlauben mit den drei Kindern, die man 3 Wochen lang auf dem Bauernhof nur zum Essen zu Gesicht bekam (inzwischen gibt es ja auch schon Bauernhofurlaub mit All-Inclusive); wie man vom Campingplatz aus stundenlange Wanderungen durchs Gebirge gemacht hat und sich dann Abends am Campingkocher setzte während die Kinder ganz unbeschwert den ganzen Platz bespielten (hatte man schon die Luxuscampingplätze erwähnt?!); oder wie man die Zeit in dieser schönen Ferienwohnung verbrachte mit Gesellschaftsspielen, gemeinsam kochen; natürlich kann man auch ganz günstig nur das Frühstück in einem Hotel buchen und dann Abends irgendwo ins Restaurant…

Und während der Schwiegervater so in Erinnerungen schwelgt, wie schön doch damals die Urlaube waren wird der Ehemann nicht müde zu betonen, wie schön er das auch fand und dies gerne mit den eigenen Kindern machen wollen würde, aber ja nicht kann, weil seine Frau da nicht mitspielt. Dabei rümpft er die Nase und äfft mich (sehr ungekonnt, wie ich betonen möchte) nach „Das ist ja kein Urlaub!“. Und ja, ich stehe dazu. Die Geschichten sind nett anzuhören, kommen dem, was ich Urlaub nenne aber nicht im Geringsten nahe. Vorstellbar als Kurzurlaub übers verlängerte Wochenende zum Beispiel, sogar sehr gerne, aber sonst?! Nein.

Weder Schwiegervater, noch Ehemann verstehen, dass ich meinen Urlaub nicht ausschließlich „Kindorientiert“ zu verbringen gedenke, dennoch aber hohen Wert darauf lege, dass auch die Kids eine schöne Zeit haben. Das ich 40 Stunden die Woche arbeite, und das ungünstiger Weise auch noch in der Institution, die meine Kinder besuchen, dummerweise zu den selben Zeit wie sie dort sind und, quasi als I-Tüpfelchen mit noch weiteren 320 Kindern, die ich von 7:45 Uhr bis 16:15 Uhr „meine“ nennen darf. Das ich quasi von 6:20 Uhr bis 19:00 Uhr, am Wochenende und in den Ferien sogar noch länger, ständig entweder „Mama“ oder „Frau Schaf“ höre ist nicht erwähnenswert. Was ich ja ein Stück weit verstehe, immerhin ist es ja selbst gewähltes Leid.

Und ja, ich fühle mich schlecht, wenn ich sage, dass Urlaub für mich ist, wenn ich nichts machen muss, denn als Mutter habe ich den Gedanken, dass ich die Kinder bespaßen muss immer im Kopf. Als normaler Mensch weiß ich aber: Nö, muss ich nicht! Die Kids fahren (mindestens zwei Mal im Jahr) auf Ferienfahrten, die ausschließlich auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten sind. Wir machen mindestens (!) zweimal im Jahr ein langes Wochenende in einem Spaßbad oder Freizeitpark, unsere Wochenenden sind zu 89% Kindorientiert.

Und da muss ich mich rechtfertigen, wieso ich mir das Recht herausnehmen mag, zwei mickrige Wochen im Jahr einen Urlaub nach meinen Bedürfnissen zu verbringen?! Naja, der Schwiegervater, der damals viel arbeiten war und seine Kinder meist nur an den freien Tagen zu Gesicht bekam, versteht das natürlich nicht, obwohl er sic h Mühe gibt. Aber ihm fehlt eben die Erfahrung. Der Ehemann versteht mich, oder tut zumindest (sehr überzeugend) so. Natürlich versucht er es immer wieder mich doch zu einem Urlaub nach seinen Erinnerungen zu überreden, doch über kurz oder lang bucht er dann doch genau das was ich mir wünsche. Insgeheim vermute ich nämlich, dass es ihm genau so geht, wenn ich herummurkel, dass ich keine Lust auf selber kochen und putzen habe, meine wertvolle Urlaubszeit nicht mit der Suche nach günstigen Lokalen oder Lebensmittelmärkten in völliger Fremde verbringen möchte, ich keine Zeit habe im Vorfeld 100 Stunden Google zu studieren wo und was man eventuell wo erledigen und erleben kann.

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Bisher hatten wir sehr schöne Familienurlaube, in dem die Bedürfnisse und

Wünsche eines jeden Familienmitgliedes befriedigt worden sind. Nicht zuletzt, weil mein Mann das Richtige gefunden und gebucht hat.

Seine Brille, ihre Brille

Vor einem guten halben Jahr wurde bei unserem jährlichen Augenarztbesuch mit den Kindern festgestellt, dass das große Kind eine Brille benötigt. Natürlich war das nicht ganz so einfach, kennt ihr zufällig diese bösen Augentropfen, welche die Pupillen erweitern? Sie sind schon für den Erwachsenen ungefähr so angenehm wie ein spitzer Stein im Schuh bei einem Marathon. Mit dem Unterschied, dass man sich, theoretisch, der Notwendigkeit einer solchen Behandlung bewusst ist und sie ohne großen Aufhebens über sich ergehen lässt. Anders bei einem Kind. Die blöden Tropfen brennen und sollen im Abstand von jeweils 10 Minuten dreimal in beide Augen getropft werden. Schon beim aller ersten Tropfen, der die Netzhaut des Kindes berührt, war für mein Kind klar: meine Eltern wollen mich quälen, da spiel ich nicht!

Nun gut, dank gezuckerter Bestechung ging es dann doch irgendwie und die nette Frau Doktor stellte wie gesagt eine Weitsichtigkeit beim großen Kind fest. Wir bekamen ein Rezept mit den Werten und straksten damit gleich am nächsten Tag zum Optiker unseres Vertrauens.

Ich wartete auf den Kundenbetreuer und legte alles weitere in seine Hände. Brille aussuchen? Geht gar nicht! Weder habe ich für mich selbst ein gutes Gespür was eine passende Brille anbelangt (könnte daran liegen, dass ich die Modelle auf meiner Nase so gut wie gar nicht erkennen kann ohne Brillengläser), noch konnte ich mir meinen kleinen Mann mit einem Nasenfahrrad vorstellen. Ist ja auch irgendwie klar, immerhin hatte er die letzten 7 Jahre das makelloseste Gesicht der Welt und nun sollte da so ein olles Drahtgestell drauf?! Bäääähhh…
Während wir warteten, schaute sich der Prinz schon einmal ein wenig um und entdeckte auch relativ flott zwei grundlegend verschiedene Brillenmodelle, die ihm absolut gefielen. Das eine war ein Kunststoffbrille in schwarz/neongrün und die andere eine blaue Titanflexbrille. Ungewohnt sahen sie beide aus und da sie sich preislich auch nicht besonders viel nahmen, sollte die letzte Entscheidung beim Kind liegen, immerhin würde er das Teil ja mit Überzeugung tragen müssen. Die Titanflex bekam (zum Glück) den Zuschlag und nach noch nicht einmal einer halben Stunde waren wir wieder aus dem Geschäft und mein Sohn zählte quasi schon die Stunden, bis wir die Brille abholen würden.

Vor gut drei Wochen hatten wir wieder einen Termin beim Augenarzt, diesmal musste auch die Prinzessin in den sauren Apfel beißen und ich hatte das unglaubliche „Glück“ mir das Tropfendrama diesmal im Doppelpack geben zu dürfen (mein Beileid an alle Zwillingseltern, ich kann nur im Ansatz erahnen, was ihr teilweise durchleiden müsst).

Zuerst sprang der Große auf den Behandlungsstuhl und *HURRA* wir bekamen neue Werte für den Optiker (absehbarer Weise muss ich sagen!).
Da der Große so gar keine Lust hatte den Sehtest seiner Schwester beizuwohnen bzw. schwer davon abzuhalten war, ihr nicht vorzuflüstern, durfte er im Wartebereich nochmal ein Buch ansehen, während ich der Prinzessin seelischen Beistand leistete. „Also wir könnten jetzt nochmal die nächste Untersuchung in 3 Monaten abwarten oder jetzt schon mit einer Korrekturmaßnahme beginnen.“ sagte die Ärztin. Das Kind schaute fragend zur Ärztin, während ich sagte, dass es mir gleich wäre, ob man nun heute oder in drei Monaten eine Brille suchen müsste. Plötzlich sprang ein mehr als euphorisches Kind vom Stuhl, hüpfte mit „Ich darf eine Brille haben, ich darf eine Brille haben…“-Singsang durchs Behandlungszimmer, riß die Tür auf und kreischte überglücklich „Aaaaaaaallleeexxx, ich bekomm endlich auch eine Brille!!!!“

Die anderen Patienten lachten, die Ärztin freute sich über diesen Gefühlsausbruch („Sowas ist mir jetzt in 25 Jahren aber auch das erste Mal passiert!“) und die Arzthelferin versuchte das ausgeflippte Kind (vergeblich) lächelnd mit Gummibärchen zu beruhigen. Was musste also sofort geschehen? Richtig, wir mussten um 18:30 Uhr noch schnell den Optiker überfallen. Dort kamen wir dann um 20:10 Uhr mit einem todunglücklichem und weinenden Kind wieder heraus, denn es gab dort KEINE Brille, die ihr entweder gepasst, gefallen oder gestanden hätte. DRAMA BABY!
Dieses Problem hatten wir bei noch 10 (!) weiteren Optikern. Ihr könnt euch meine Verzweiflung sich vorstellen?! „Deine Brille muss erst designt werden!“ sagte ich zu ihr, wobei mir plötzlich die Arzthelferin einfiel, die von einem Optiker in der Nähe sprach, welcher Haribo-Brille hatte, die ausgesprochen flexibel sowohl im Material, als auch in der Gestaltung seien. 17-10-08-19-25-30-345_deco.jpg

Also wir sofort dorthin und ENDLICH fanden wir das Gesuchte! Prinzessin suchte sich die Form der Gläser und die Farben der einzelnen Bauteile zusammen und bekam endlich DIE perfekte Brille, die sie tatsächlich „selber“ designt hatte. Natürlich in ihren Lieblingsfarben neonpink/neongelb, passend zu ihrem Ranzen! Nach gerade mal 4 Tagen war das gute Stück schon abholbereit und endlich kehrte wieder Ruhe und Glückseligkeit ins Mädchenherz ein.

Meine Güte, was war das für eine Tortur! Erst recht, wenn man den Brillenkauf des Prinzen im Hinterkopf hat, wo es zwei passende Brillen im ersten Laden gab und man nur zu warten brauchte, für welches Modell er sich denn letztlich entscheiden würde. Hoffentlich wächst sie nicht allzu schnell aus dem Gestell bzw. der Produktlinie heraus, damit mir eine erneute Suche erspart bleibt!

 

Ich bin nicht mehr da für euch…

Kennt ihr diese Freunde/ Familienmitglieder, die sich wirklich immer nur dann bei einem melden, wenn es ihnen schlecht geht, oder sie bei irgend etwas Hilfe benötigen, ansonsten aber deine Nummer nicht finden können?!

Im Laufe der letzten Jahre habe ich solche Leute quasi angesammelt. Das geht dann immer für eine gewisse Zeit gut, doch irgendwann platzt mir der Kragen und ich fange an zu sortieren. Dabei geht es nicht darum, dass die Leute sich immer und in regelmäßigen Abständen bei mir melden müssen, sie wissen ja nichts von meiner kalendarischen Strichliste *lach*. Aber so ab und zu mal eine Nachricht (egal über welches Medium) und sei es nur ein bisschen Smalltalk hat ja nun noch niemandem geschadet. Es sei denn, dieser findet nach wochenlanger Kontaktarmut statt und endet mit „… und dann wollte ich noch fragen, ob ihr mir bei dem oder diesem helfen könnt oder jemanden wisst…“ Ganz hoch im Kurs stehen vor allem die Leute bei denen man schon beim klingeln des Telefons weiß, wen sie sprechen wollen und um welche Bitte es sich im Großen und Ganzen handeln könnte. Ich habe da ein wirklich treffsicheres Gespür, der Schatz staunt schon gar nicht mehr, obwohl er noch immer nachhaltig beeindruckt ist.

Ich möchte auch nicht behaupten, dass es immer einfach ist, sich mit mir zu verabreden, aber wenn man wirkliches Interesse daran hat, findet sich immer ein Termin. Sowohl mit, als auch ohne Kinder. Natürlich ist unser Leben geprägt von einer 40-Stunden-Arbeitswoche (beim Schatz sogar im Schichtdienst), Terminen mit/für die Kinder und dem übrigen, oft lästigen, Orgazeug (einkaufen, Haushalt etc.). Und natürlich wohnen nicht alle mal gleich ums Eck, so dass sich Spontanbesuche nach der Arbeit eventuell noch lohnen könnten.

Ich weiß das natürlich alles und trotzdem frage ich mich, ob ich so ätzend bin, dass einige mich nur als Nutzkontakt (jemand den man nur im Telefonbuch hat für den Fall, dass er nützlich sein kann) in ihrem Smartphone haben. Langeweile, weil jemand anderes keine Zeit hat, wird ja auch total unterschätzt, da ruf ich mir doch lieber die Ätze an, als allein was zu starten…
Was aber vielen nicht bewusst ist: es fällt durchaus auf, wenn man so ausgenutzt wird. Unbewusst schmieren diejenigen einem das dann später aufs Brot, gerne durch Erzählungen like „Hach, ich hätte fast alleine in den Zoo gemusst, aber dann hatte XY ja doch noch Zeit, sonst hätte ich euch ja gefragt!“

Besonders gerne ärgere ich mich ja über Leute, denen ich aus Freundschaft (einseitig, wie sich dann später heraus stellt) den Ar*ch auf gut Deutsch hinter trage, bei Tag und Nacht auf Abruf bereit stehe um an ihrer Seite zu sein und am Ende kommt weder ein Dankeschön, noch sonst irgendwas. Nein, eher sehe ich dann, wie eben diese Leute mit `ihren Lieblingsmenschen´was trinken gehen, DVD-Abende machen und man ja so froh ist, dass man sie hat (von denen konnte man natürlich in der Zeit der Not niemanden kontaktieren, geschweige denn, dass jemand gekommen wäre… ).

Klinkt das jetzt alles ein wenig eifersüchtig?
Möglich!
Vielleicht ist das auch ein Teil des Problems, aber ich habe es so satt, dass ich so verarscht und ausgenutzt werde. Ich habe schon vor einiger Zeit begonnen die Leute zu testen, indem ich mich mehrfach melde und dann irgendwann aufhöre. Locker anfrage, was sie denn vorhaben und auf eine Verabredung warte. Kommt da nichts bei raus, wird aussortiert.  Natürlich nicht bei jedem, doch man kennt ja seine Pappenheimer… Denen kann ich nur sagen „Ich bin nicht mehr da für dich!“

Es gibt aber auch Freundschaften, die funktionieren super, obwohl man sich nur alle viertel Jahr mal sieht . Die vermisse ich oft schmerzlich, das wird mir aber erst bewusst, wenn man sich mal wieder gesehen hat, oder ewig mit einander geschrieben hat… Das schlimme ist ja, dass man so von den Problemmenschen eingenommen wird, dass man gar nicht im Blick hat, wer da noch so alles ist und von einem selbst vernachlässigt wird. Vielleicht sollte ich doch eine kalendarische Strichliste führen…

Abschied

„Soll, soll ich nicht… Na eigentlich… Aber uneigentlich… Habe ich eine Chance? Wohl eher nicht… Aber warum eigentlich sollte ausgerechnet ich keine Chance haben…“ Gedanken, mit denen ich mich knapp ein halbes Jahr lang herum schlug. Ich dachte über einen Wechsel der Arbeitsstelle nach und war hin und hergerissen zwischen dem was da war und dem, was da eventuell auf mich zukommen möge.
Es gab einige Faktoren, die gegen eine Bewerbung sprachen, wie zum Beispiel das Wissen darum, dass es in anderen Betrieben auch nicht alles so läuft, wie ich es mir wünschen würde und natürlich die Lieblingskollegen, mit denen ich dann ganz unweigerlich nicht mehr zusammen arbeiten würde, genauso wie die lieben Kleinen, die ich mit all ihren Ecken und Kanten stark ins Herz geschlossen hatte. Dennoch, die Argumente, die für eine Bewerbung sprachen hatten ganz klar die meisten Punkten und auch die Lieblingskollegen, zumindest die, die ich in meine Überlegungen einbezogen hatte, bedrängten mich immer mehr. So gab ich am letzten Tag der Bewerbungsfrist meine Bewerbung dann doch ab und quälte mich nun mit meinem Gewissen und meiner Loyalität.

Nach vier Wochen kam dann eine Einladung zum Casting. So etwas veranstaltet man nämlich heut zu Tage ganz gerne, um potenzielle Mitarbeiter schon im Vorfeld abzuschrecken kennenzulernen. Voller Überraschung schaute ich auf die Mail und haderte nun mit mir. der Termin wäre, natürlich, an einem Tag, an dem ich Arbeiten müsste. Ausgesprochen unpraktisch, wenn man dem Vorgesetzten nicht sagen möchte, dass man sich beworben hat, weil man sich ja selbst noch gar nicht so darüber im klaren ist, dass das verschicken der Bewerbung schon so etwas wie eine Entscheidung zum Gehen ist. Da es für mich absolut gar nicht in Frage kam an diesem Tag krank zu machen, blieb mir nur die Nachfrage ob ich Überstunden abbauen dürfte an diesem Tag oder gar nicht zum Casting zu gehen. Nun kam aber Dr. prof. Zufall um die Ecke und bescherte mir einen freien Tag, da die Kita just an diesem Tag geschlossen hatte und mich mein Chef netterweise deshalb freistellte. Ein schlechtes Gewissen hatte ich dennoch, denn es fehlte ja ein Teil der Wahrheit.

Die Vorbereitungen überließ ich, wie es bei mir so üblich ist, den letzten 10 Minuten vor Abfahrt, denn das sind meist die kreativsten, und war ansonsten doch recht entspannt. Vor Ort traf ich dann noch einen anderen Kollegen und so verging die Wartezeit eigentlich recht schnell. Genau wie das Casting an sich, denn meine vorgegebenen 5 Minuten Redezeit hatte ich nicht ganz ausgeschöpft, da ich dann vor all den Zuhörern und Angesicht der Tatsache, das die einen anderen Ablauf wollten als ich ihn mir zurecht gelegt hatte, einfach die Hälfte von meinen tollen Erzieherqualitäten vergessen hatte zu erwähnen. Auch die 3 Minuten Fragezeit, die die Castingleute an mich hätten richten können,wurden nicht genutzt. Als ich also nach 5 Minuten aus dem Saal herauskam, war ich überzeugt: Das haste verkackt!

Vollkommen entspannt konnte ich nun den Rest des Tages mit den Kids genießen und ärgerte mich wirklich nur ein klitzekleines bisschen, war aber auf der anderen Seite total froh darüber, dass ich mein Vorhaben nicht so breitgetreten hatte. Zwei Tage später  hatte ich dann Homeoffice, weil geführte Sprachtests digitalisiert werden wollten und dies nur an meinem Heimcomputer möglich war und plötzlich bekam ich die Email, dass ich mich bitte bei Frau XY von der Personalstelle melden sollte. Ehe ich es mich versah saß ich 2 Stunden in einer anderen Schule, hörte mir das Konzept an, würde herum geführt und erzählte von mir und meinen bisherigen Erfahrungen. Alles ganz locker und entspannt bei einer Tasse Kaffee im schuleigenen Gemüsegarten. Dies sollte mein neuer Arbeitsplatz werden, so denn ich mir das vorstellen könnte.

Der nächste Tag war hart für mich, denn ich musste mit meinem Chef sprechen und im berichten, das ich nach den Ferien nicht zurück kommen würde. Es fiel mir nicht sonderlich leicht, denn ich mochte meinen Chef und er tat mir sehr, sehr leid, als er mich ungläubig anschaute und offensichtlich sehr überrascht war. Wir sprachen eine ganze Weile und ich erklärte meine Beweggründe, obwohl ich dies gar nicht gewusst hätte, doch es schien mir wichtig und er war, im Nachhinein, auch dankbar über das Gespräch, so eine seiner Vertrauten.

Die letzten zwei Wochen vor den Ferien standen nun an und ich hatte soviel für meine Klasse geplant um mich vernünftig zu verabschieden und es den Kiddies nicht allzu schwer zu machen. Und dann wurde ich krank und durfte nicht zur Arbeit. Natürlich ließ ich mir den letzten Tag nicht nehmen und ging dann doch, allerdings nach Absprache mit dem Chef, in meine Klasse, ansteckend war ich ja nicht mehr. Ich verteilte meine individuell beschrifteten Bilderrahmen an die Kids, das Kooperationszeugnis an meine Klassenlehrerin und verabschiedete mich nun noch einmal ganz offiziell bei meinen Kindern. Ich schaffte es ohne weinen, aber nur ganz knapp.

Dann fuhr ich nach Hause und packte die letzten Kleinigkeiten in die Koffer. Es waren noch 2 Tage bis zum Urlaub und ich hatte einen riesigen Stein auf Herz, Seele und Magen. Was würde nun werden?!

Und dann…

Damals, vor unendlich langer Zeit, während meiner Ausbildung, hatte ich mich zu einen Kurs zum Thema „Suchtprävention“ eingetragen. Hauptsächlich, weil meine damals beste Freundin ein Jahr weiter war als ich und nicht aus dem Schwärmen für die Dozentin heraus kam und zum anderen, weil mich das Thema tatsächlich immens interessierte.

Naja, die Dozentin erwies sich als schrullige, liebenswerte aber auch sehr kompetente Persönlichkeit und die theoretischen Ansätze waren auch nicht unbedingt die Schlechtesten. Und auch, wenn ich nicht unbedingt die herausragendste Schülerin war, so konnte ich dem Kurs doch eine Menge Informationen entnehmen (und das trotz meiner Lernmethodik).
Unter anderem musste ich einen Vortrag über Coabhängigkeit halten, der mich damals schon ein wenig an der Menschheit zweifeln ließ. Letztens saß ich dann einer Bekannten gegenüber und stellte einen blauen Fleck an ihrem Arm fest, der an Intensität und Größe schon echt herausragend war. Natürlich versuchte sie sich mit einer Lüge à la Fahrradunfall heraus zu reden, doch nach einem Blick meiner Seits revidierte sie ihre Aussage sofort und erklärte mir, dass sie eine Bierflasche abwehren musste, die ihr im vollen Fluge entgegen kam. Leer, wie sie schnell betonte. Und es war ja auch ihre Schuld, denn sie hätte ihren Mann ja nicht so zu reizen brauchen, wie sie schnell  sagte.
Im ersten Moment war ich geschockt, im nächsten Moment wusste ich nicht was ich sagen sollte und dann auf einmal wollte ich ganz viel und alles gleichzeitig sagen. Pädagogisch gesehen habe ich halbwegs ordentlich agiert, subtil betrachtet würde ich liebend gerne so viel mehr tun, was aber nicht ohne ihr Zutun funktioniert.

Ich fühle mich so hilflos und das kotzt mich tierisch an. Ich möchte sie ja auch nicht belagern oder noch mehr unter Druck setzen, aber ich kann es auch nicht einfach so stehen lassen. Seit dem ich davon weiß (und von den anderen Dingen, die bei ihr zu Hause  laufen), höre ich ihr zu und versuche ihr wenigstens dadurch zu helfen, denn es tut ihr tut, sich nach all den Jahren mal jemanden anzuvertrauen. Doch natürlich bekommt sie bei eben diesen Gelegenheiten immer wieder irgendwelche Hilfsangebote (fein säuberlich aus dem Internet recherchierte Einrichtungen etc.).

Damals in der Schule hörte sich das alles so weit weg an und ich dachte noch, dass ich da ganz toll reagieren werde. Und dann steht jemand den du kennst vor dir und alles ist ganz anders und du verstehst gar nichts mehr.
Ich möchte sie anschreien, sie schütteln um ihr klar zu machen, das eben NICHT sie die Schuld trägt. Ich möchte ihr so vieles sagen, sie da raus holen und ihr zeigen, dass sie auch anders könnte, wenn sie wollte. Statt dessen sitze ich da, halte ihre Hand, tröste sie, spreche ihr Mut zu und lege ihr Ausdrucke hin. Mehr kann ich nicht tun.

Ich darf es nicht so nah an mich heran lassen und darf mir nicht zu sehr den Kopf zerbrechen, doch was wäre ich für ein Mensch, wenn mich das alles kalt ließe?!