Selbstständigkeit ist näher als man denkt

Und plötzlich verabschiedete sich mein Knie von mir, genau einen Tag, nachdem ich wegen sporadischen Schmerzen im anderen Knie beim Arzt war. Naja, der Orthopäde diagnostizieret eine „Bursitis infrapatellaris“ und schrieb mich krank. Mal davon abgesehen, dass das echt fiese Schmerzen sind, war es mehr als lästig, dass ich weder besonders gut laufen, geschweige denn Auto fahren konnte. In den ersten zwei Tagen meiner Krankschrift war das auch kein großes Drama, denn mein Mann hatte frei und konnte das Elterntaxi spielen. Das ist nämlich der Nachteil, wenn deine Kinder nicht die Schule aus dem Einzugsgebiet besuchen: bis zu einem gewissen Grad muss das Bringen und Abholen durch einen Erwachsenen erfolgen und sei es nur, weil Mama es so will.

Am Abend saßen wir dann beim Abendbrot und ich überlegte mit meiner Familie, wie wir das am nächsten Tag machen würden, da der Mann Spätdienst hatte und die Kinder demnach nicht von ihm aus der Schule geholt werden konnten. Ich überlegte hin und her, wie ich den Arztbesuch um 11 Uhr und die unterschiedlichen Schulendzeiten der Kinder am besten verbinden könnte. Natürlich nicht besonders gekonnt, da die Zeiten wirklich weit auseinander lagen.
Mein Großer schaute mich an und schlug vor, dass er mit seiner kleinen Schwester nach dem Gitarrenunterricht mit dem Bus kommen könnte. Dann könnte ich mein Bein ausruhen und müsste nicht hin und her fahren. Keine ganz so schlechte Idee, wie wir zugeben mussten.
Gemeinsam besprachen wir, wo die Bushaltestelle ist, welcher Bus der Richtige ist, an was die Beiden alles denken müssten und wo sie aussteigen würden. Vollkommen selbstbewusst gaben die Beiden Antwort auf jede Frage und wirkten dabei so überzeugend, dass wir uns auf das Experiment einließen.

Dann war es also so weit. Der Große wurde mit einem Handy, den Fahrkarten, einem Notfall-Spickzettel und ganz viel Vertrauen ausgestattet und der GöGa fuhr sie zur Schule. Dabei interviewte er die Kids nochmal unauffällig und stellte ihre Fahrtauglichkeit fest.

„15:30 Uhr, der Gitarrenunterricht müsste zu Ende sein und wenn alles gut geht und die Kids nicht bummeln, könnten sie schon im nächsten Bus sitzen.“ So saß ich da, in Schuhen und mit dem Handy in der Hand, bereit mich in ein Taxi zu schwingen und meine verlorenen Kinder irgendwo einzusammeln, wo sie nicht hingehören. Es ist nicht so, dass man quasi darauf lauert, dass sie es nicht schaffen, eher ist es die Angst vor all den schlimmen Dingen, die passieren KÖNNTEN, die einen in die Klamotten zwingt.

Um 16:04 Uhr klingelte es dann an meiner Haustür und voll beladen mit Gitarre, Sportbeutel, Mappe und seiner Schwester (inklusive ihres Zubehörs) stand da mein Sohn. Beide stolz wie Bolle mindestens 10cm gewachsen und aufgeregt schnatternd. Alles war super gelaufen: sie hatten auf der Mittelinsel der großen Kreuzung auf die grüne Ampel gewartet, auf die Busnummer geachtet, ihre Fahrkarten abgestempelt, sich hingesetzt und ihre Sachen beisammen gehalten, damit nichts verloren geht.

Puh… Wie aufregend, vor allem als besorgte Mutter. Umso stolzer war ich natürlich auf meine beiden Superkids, und konnte es ihnen gar nicht oft genug sagen. Der Mann rollte nur mit den Augen (ja, sowas kann man am Telefon hören… als Frau!) und sagte, ich solle es nicht übertreiben. Als ich ihm dann allerdings noch einmal die Tatsachen vor Augen führte (unter anderem, dass die Kids die Strecke zuvor noch nicht einmal in Begleitung gefahren waren, geschweige denn schon jemals allein auch nur eine Station mit irgendeinem Bus allein gefahren sind) musste auch er zugeben, dass die Beiden das mehr als souverän gemeistert hatten.

Und *BÄHM* sind meine kleinen Menschen groß. Sie fuhren auch die darauf folgende Woche allein mit dem Bus nach Hause (die Mama war inzwischen recht relaxt). Sie bewegen sich seit dem auch sehr viel freier hier in der Gegend, gehen allein zu  unterschiedliche Geschäfte, auf den Spielplatz, zum Sport…
Und ich betrachte das Ganze vollkommen zerrissen: auf der einen Seite froh und glücklich über jeden neuen Schritt, den sie in ihrer Entwicklung hin zur Selbstständigkeit machen, auf der anderen Seiten immer wieder besorgt und „übermüttert“.

Hört das jemals auf?! *seufz*

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Unser Weihnachten 2017

Vielleicht bin ich ja auch ein wenig festgefahren in meiner Vorstellung der Feierlichkeit und des Ablaufs, das gebe ich ja gerne zu. Zum Glück sind dem Schatz solche Dinge in der Regel egal und ich habe diesbezüglich freie Hand, so dass wir uns in den letzten 9 Jahren unsere eigenen Traditionen erschaffen haben.
Stressig und nervig wird es erst, wenn man aus dem kleinen Kreis der Familie hinaus tritt und ein bisschen größer denkt. Denn nicht jeder hat die selbe Vorstellung, geschweige denn Traditionen wie ich. Tendenziell finde ich das okay, allerdings bin ich der Meinung, dass man sich dem Gastgeber unterzuordnen hat. Will dieser also an Heiligabend beispielsweise eine Kürbissuppe (nicht das dem bei uns so wäre), so muss ich als Gast das hinnehmen. In der Regel taten unsere Lieblingsmenschen das bisher auch ohne Probleme. Bis zu dem einen Weihnachten, was zwar in meinen vier Wänden statt fand, aber dann so verschandelt wurde, dass von der Bescherung bis zum Essen gar nichts so war, wie ich es gewünscht habe und die Kinder es lieben. Es ging sogar so weit, dass die Gäste das eigene Traditionsessen mitbrachten (*schüttel*) und ich nach über 12 Stunden wirklich froh war, als diese das Haus verließen.
Klar hätte ich aufbegehren und mich wehren können. Natürlich hätte ich einen riesigen Streit provozieren können und einen Vortrag über Respekt und auch Anstand (*pff*) halten können. Doch wer tut das am Heiligabend schon gerne?!

Ich wollte das alles nicht mehr. Ewige Diskussionen um den Ort des Geschehens, das Weihnachtsmenü, geliebte Traditionen… Und dann dieser Stress, von dem man sich nur allzu leicht anstecken lässt. Überfüllte Geschäfte mit gereizten Kunden, verstopfte Straßen, aufgesetzte und künstliche Weihnachtsstimmung.  Ich hatte es sowas von satt. Erst recht nach eben diesem Weihnachten.

Also beschlossen wir nach besagten Weihnachten, dass wir im nächsten Jahr GANZ weit weg sein würden. Der Schatz setzte sich sogleich an den Rechner und suchte uns ein Urlaubsziel heraus.
Ägypten. Abflug am 24.12. um 6:10 Uhr Landung wieder in der Heimat am 31.12. um 18 Uhr.

Nun ist Ägypten nicht unbedingt das erste Land, an das man in Verbindung mit Weihnachten denkt. Wahrscheinlich eher das Letzte und genau deshalb erschien es mir perfekt.
So standen wir dann also morgens in unangemessener Frühe am Weihnachtsmorgen am Flughafen und checkten mit zwei weiteren meiner Herzmenschen nach Hurghada ein.
Während der Prinz seit Weihnachten 2016 des Geheimnis des Weihnachtsmannes kennt („Mama, ich weiß, dass ihr das immer alles besorgt, aber davon sagen wir der Prinzessin nichts, die darf weiter an den Weihnachtsmann glauben.“ *Herzschmelz*), glaubt die Prinzessin tatsächlich noch ganz fest an ihn und war schon ein bisschen sehr  ängstlich und fragte mit weinerlicher Stimme und Tränchen in den Augen, wie der Weihnachtsmann sie denn in Ägypten finden soll.
Kurz darauf kam ein Kollege vom Schatz um die Ecke und erklärte ihr, während er den Kids die Geschenke übergab, dass der Weihnachtsmann gerade gelandet wäre und ihm die Geschenke gegeben hat, da er schnell weiter musste. War das also auch abgehakt.

20171229_183352.jpgDie Ägypter hatten sich wirklich viel Mühe gegeben und wirklich so gut wie alles sehr 17-12-25-20-55-53-478_deco.jpgweihnachtlich dekoriert: Geschäfte, Autos, Hotels von innen und drum herum, sogar die Dromedare. Es dudelten immer leise im Hintergrund weihnachtliche Songs, wie man sie auch daheim hören würde und das Essen war fabelhaft. So kamen zwar bei knappen 25 Grad  unter Palmen, am Meer, keine Weihnachtsgefühle auf, aber wir kamen zur Ruhe, genossen die Gegend und vor allem die liebenswürdigen Menschen um uns herum und ließen es uns bei All- Inclusive so richtig gut gehen. Wir lernten die Ägypter ein wenig kennen und zumindest ich, verliebte mich in Land und Leute.

Eine Woche war ein bisschen kurz, wir und unsere Herzmenschen wären gerne noch ein bisschen länger geblieben, obwohl unser Hotel nicht gerade das modernste und chicste gewesen war. Da wir unsere Herzmenschen aber noch immer mögen und sie uns offenbar auch (dachte man noch im Flieger über den nächsten gemeinsamen Urlaub nach), bin ich fest der Überzeugung, dass das eine Liebe für immer ist.
Wir landeten pünktlich und ohne Probleme wieder in der Heimat, daheim bekamen die Kinder den Rest ihrer Geschenke (man kann ja nun nicht 6 Pakete mit in den Urlaub nehmen) und wir packten flux die paar Sachen aus, machten uns frisch und traffen uns dann mit anderen Herzmenschen um mit ihnen in das neue Jahr zu starten. Den Hund durften wir noch beim besten Papa der Welt lassen. Klasse. Wann hat man schon mal so ein entspanntes Jahresende?!

Und obwohl es alles so toll, erholsam, stressfrei und nett war, möchten die Kinder das  nächste Weihnachten wieder nach Schokoschafmanier feiern. Widerspruch zwecklos, schade.