Selbstständigkeit ist näher als man denkt

Und plötzlich verabschiedete sich mein Knie von mir, genau einen Tag, nachdem ich wegen sporadischen Schmerzen im anderen Knie beim Arzt war. Naja, der Orthopäde diagnostizieret eine „Bursitis infrapatellaris“ und schrieb mich krank. Mal davon abgesehen, dass das echt fiese Schmerzen sind, war es mehr als lästig, dass ich weder besonders gut laufen, geschweige denn Auto fahren konnte. In den ersten zwei Tagen meiner Krankschrift war das auch kein großes Drama, denn mein Mann hatte frei und konnte das Elterntaxi spielen. Das ist nämlich der Nachteil, wenn deine Kinder nicht die Schule aus dem Einzugsgebiet besuchen: bis zu einem gewissen Grad muss das Bringen und Abholen durch einen Erwachsenen erfolgen und sei es nur, weil Mama es so will.

Am Abend saßen wir dann beim Abendbrot und ich überlegte mit meiner Familie, wie wir das am nächsten Tag machen würden, da der Mann Spätdienst hatte und die Kinder demnach nicht von ihm aus der Schule geholt werden konnten. Ich überlegte hin und her, wie ich den Arztbesuch um 11 Uhr und die unterschiedlichen Schulendzeiten der Kinder am besten verbinden könnte. Natürlich nicht besonders gekonnt, da die Zeiten wirklich weit auseinander lagen.
Mein Großer schaute mich an und schlug vor, dass er mit seiner kleinen Schwester nach dem Gitarrenunterricht mit dem Bus kommen könnte. Dann könnte ich mein Bein ausruhen und müsste nicht hin und her fahren. Keine ganz so schlechte Idee, wie wir zugeben mussten.
Gemeinsam besprachen wir, wo die Bushaltestelle ist, welcher Bus der Richtige ist, an was die Beiden alles denken müssten und wo sie aussteigen würden. Vollkommen selbstbewusst gaben die Beiden Antwort auf jede Frage und wirkten dabei so überzeugend, dass wir uns auf das Experiment einließen.

Dann war es also so weit. Der Große wurde mit einem Handy, den Fahrkarten, einem Notfall-Spickzettel und ganz viel Vertrauen ausgestattet und der GöGa fuhr sie zur Schule. Dabei interviewte er die Kids nochmal unauffällig und stellte ihre Fahrtauglichkeit fest.

„15:30 Uhr, der Gitarrenunterricht müsste zu Ende sein und wenn alles gut geht und die Kids nicht bummeln, könnten sie schon im nächsten Bus sitzen.“ So saß ich da, in Schuhen und mit dem Handy in der Hand, bereit mich in ein Taxi zu schwingen und meine verlorenen Kinder irgendwo einzusammeln, wo sie nicht hingehören. Es ist nicht so, dass man quasi darauf lauert, dass sie es nicht schaffen, eher ist es die Angst vor all den schlimmen Dingen, die passieren KÖNNTEN, die einen in die Klamotten zwingt.

Um 16:04 Uhr klingelte es dann an meiner Haustür und voll beladen mit Gitarre, Sportbeutel, Mappe und seiner Schwester (inklusive ihres Zubehörs) stand da mein Sohn. Beide stolz wie Bolle mindestens 10cm gewachsen und aufgeregt schnatternd. Alles war super gelaufen: sie hatten auf der Mittelinsel der großen Kreuzung auf die grüne Ampel gewartet, auf die Busnummer geachtet, ihre Fahrkarten abgestempelt, sich hingesetzt und ihre Sachen beisammen gehalten, damit nichts verloren geht.

Puh… Wie aufregend, vor allem als besorgte Mutter. Umso stolzer war ich natürlich auf meine beiden Superkids, und konnte es ihnen gar nicht oft genug sagen. Der Mann rollte nur mit den Augen (ja, sowas kann man am Telefon hören… als Frau!) und sagte, ich solle es nicht übertreiben. Als ich ihm dann allerdings noch einmal die Tatsachen vor Augen führte (unter anderem, dass die Kids die Strecke zuvor noch nicht einmal in Begleitung gefahren waren, geschweige denn schon jemals allein auch nur eine Station mit irgendeinem Bus allein gefahren sind) musste auch er zugeben, dass die Beiden das mehr als souverän gemeistert hatten.

Und *BÄHM* sind meine kleinen Menschen groß. Sie fuhren auch die darauf folgende Woche allein mit dem Bus nach Hause (die Mama war inzwischen recht relaxt). Sie bewegen sich seit dem auch sehr viel freier hier in der Gegend, gehen allein zu  unterschiedliche Geschäfte, auf den Spielplatz, zum Sport…
Und ich betrachte das Ganze vollkommen zerrissen: auf der einen Seite froh und glücklich über jeden neuen Schritt, den sie in ihrer Entwicklung hin zur Selbstständigkeit machen, auf der anderen Seiten immer wieder besorgt und „übermüttert“.

Hört das jemals auf?! *seufz*

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Halloween 2017

Bis jetzt habe ich es fast jedes Jahr wirklich gut geschafft, mich und meine Kinder von diesem „Feiertag“ fern zu halten. Positiv unterstützend war bisher immer die Tatsache, dass  Halloween an einem ganz normalen Wochentag statt fand und wir somit alle bis mindestens 16:30 Uhr in den Einrichtungen waren um dann platt nach Hause zu kommen.

Dieses Jahr (ihr wisst schon, 500. Reformationstag, sogar Berlin nahm dies als Feiertag wahr) war es ein wenig schwieriger und wir waren zur Halloweenparty bei einer lieben Freundschaft eingeladen. Meine Kinder natürlich vollkommen aus dem Häuschen, die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren (heißt sie liefen seit 10 Uhr morgens im Kostüm durch die Wohnung) und ich freute mich einfach auf ein nettes Beisammensein.

Mal ganz unter uns: ich persönlich bin ja so gar nicht der Partymensch, Mottoparty sowieso nicht und den ganzen Kladeradatsch zu organisieren/vorzubereiten liegt nicht in meinem genetischen Material (genauso wenig wie dieses dekorieren zu Jahreszeiten/ Anlässen). Umso mehr Respekt habe ich vor Leuten, die das gerne machen. Ein bisschen kommt dann immer das schlechte Gewissen, denn auf Arbeit mache ich sowas ja durchaus wenn auch mehr gezwungen als voller Freude…

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Quelle: Gastgeberin

Als ich mit meinem kleinen „Sith Lord“ und meiner Hexe klingelte, betraten wir den Vorhof von Halloweentown und verließen ihn quasi rollend erst 6 Stunden später wieder. Während die anderen Kinder sich in ihrer direkten Nachbarschaft die Beutel füllen ließen, mussten meine Kinder allerdings drin bleiben.

Und spätestens da war mir mal wieder klar, was für tolle Kinder ich habe, denn auch wenn sie gerne mitgegangen wären, verständlicher Weise, haben sie dennoch genau gewusst, wieso sie nicht dürfen. Nach weniger als 15 Minuten waren die restlichen Kinder auch alle wieder da und alles war gut.

Wieso meine Kinder nicht mit durften? Wir bringen unseren Kindern bei, dass sie nicht mit fremden Leuten sprechen sollen und schon gar nichts ANNEHMEN sollen, bitte auch nicht in meiner Gegenwart. Und davon bin ich überzeugt, auch an Halloween (was im übrigen ganz stark damit zu tun haben wird, dass dieses „Fest“ nicht mit mir verbunden ist, weder kulturell, noch religiös oder sonst irgendwie). Es ist so ein bisschen, wie mit diesen Mottopartys: es ist okay, wenn andere das mögen, ich kann da aber nicht über meinen Schatten springen.
Nun kann ich davon ja halten was ich mag, meine Kinder wachsen trotzdem in einer Zeit auf, in der sich Halloween in Deutschland schon sehr etabliert hat und man eigentlich gar nicht mehr drum herum kommt. Mein Kompromiss den Kindern gegenüber ist, dass sie an Partys teilnehmen dürfen, sich (natürlich) verkleiden dürfen und dann bei den Lieblingsnachbarn und manchmal auch bei Familie und Freunden, klingeln können um ihren, ohnehin unendlichen, Vorrat an Zuckerzeug aufzufüllen.

So lief das dann auch dieses Jahr. Die Freundin versorgte die „armen“ Kinder ganz mitleidig mit gefühlten 50 kg Süßkram zusätzlich (neben den vielen Rotz- und Blutmuffins, den Mumienwürsten, Buhnananen…) zum mitnehmen, die Lieblingsvera verteilte auch nochmal 30kg und die Lieblingsnachbarn trugen, nach einem Bilderbuchschreck auch nochmal ihren Teil für die nächste Zahnbehandlung bei.

Vielleicht bin ich da ein bisschen sehr übervorsichtig, meinetwegen auch engstirnig oder komisch. Aber ich kann nun mal nicht aus meiner Haut raus und ich bin mehr als Dankbar dafür, dass ich so grandiose Kinder habe, die so viel schon verstehen und die Macken ihrer Mutter einfach (noch?!) hinnehmen.

Seine Brille, ihre Brille

Vor einem guten halben Jahr wurde bei unserem jährlichen Augenarztbesuch mit den Kindern festgestellt, dass das große Kind eine Brille benötigt. Natürlich war das nicht ganz so einfach, kennt ihr zufällig diese bösen Augentropfen, welche die Pupillen erweitern? Sie sind schon für den Erwachsenen ungefähr so angenehm wie ein spitzer Stein im Schuh bei einem Marathon. Mit dem Unterschied, dass man sich, theoretisch, der Notwendigkeit einer solchen Behandlung bewusst ist und sie ohne großen Aufhebens über sich ergehen lässt. Anders bei einem Kind. Die blöden Tropfen brennen und sollen im Abstand von jeweils 10 Minuten dreimal in beide Augen getropft werden. Schon beim aller ersten Tropfen, der die Netzhaut des Kindes berührt, war für mein Kind klar: meine Eltern wollen mich quälen, da spiel ich nicht!

Nun gut, dank gezuckerter Bestechung ging es dann doch irgendwie und die nette Frau Doktor stellte wie gesagt eine Weitsichtigkeit beim großen Kind fest. Wir bekamen ein Rezept mit den Werten und straksten damit gleich am nächsten Tag zum Optiker unseres Vertrauens.

Ich wartete auf den Kundenbetreuer und legte alles weitere in seine Hände. Brille aussuchen? Geht gar nicht! Weder habe ich für mich selbst ein gutes Gespür was eine passende Brille anbelangt (könnte daran liegen, dass ich die Modelle auf meiner Nase so gut wie gar nicht erkennen kann ohne Brillengläser), noch konnte ich mir meinen kleinen Mann mit einem Nasenfahrrad vorstellen. Ist ja auch irgendwie klar, immerhin hatte er die letzten 7 Jahre das makelloseste Gesicht der Welt und nun sollte da so ein olles Drahtgestell drauf?! Bäääähhh…
Während wir warteten, schaute sich der Prinz schon einmal ein wenig um und entdeckte auch relativ flott zwei grundlegend verschiedene Brillenmodelle, die ihm absolut gefielen. Das eine war ein Kunststoffbrille in schwarz/neongrün und die andere eine blaue Titanflexbrille. Ungewohnt sahen sie beide aus und da sie sich preislich auch nicht besonders viel nahmen, sollte die letzte Entscheidung beim Kind liegen, immerhin würde er das Teil ja mit Überzeugung tragen müssen. Die Titanflex bekam (zum Glück) den Zuschlag und nach noch nicht einmal einer halben Stunde waren wir wieder aus dem Geschäft und mein Sohn zählte quasi schon die Stunden, bis wir die Brille abholen würden.

Vor gut drei Wochen hatten wir wieder einen Termin beim Augenarzt, diesmal musste auch die Prinzessin in den sauren Apfel beißen und ich hatte das unglaubliche „Glück“ mir das Tropfendrama diesmal im Doppelpack geben zu dürfen (mein Beileid an alle Zwillingseltern, ich kann nur im Ansatz erahnen, was ihr teilweise durchleiden müsst).

Zuerst sprang der Große auf den Behandlungsstuhl und *HURRA* wir bekamen neue Werte für den Optiker (absehbarer Weise muss ich sagen!).
Da der Große so gar keine Lust hatte den Sehtest seiner Schwester beizuwohnen bzw. schwer davon abzuhalten war, ihr nicht vorzuflüstern, durfte er im Wartebereich nochmal ein Buch ansehen, während ich der Prinzessin seelischen Beistand leistete. „Also wir könnten jetzt nochmal die nächste Untersuchung in 3 Monaten abwarten oder jetzt schon mit einer Korrekturmaßnahme beginnen.“ sagte die Ärztin. Das Kind schaute fragend zur Ärztin, während ich sagte, dass es mir gleich wäre, ob man nun heute oder in drei Monaten eine Brille suchen müsste. Plötzlich sprang ein mehr als euphorisches Kind vom Stuhl, hüpfte mit „Ich darf eine Brille haben, ich darf eine Brille haben…“-Singsang durchs Behandlungszimmer, riß die Tür auf und kreischte überglücklich „Aaaaaaaallleeexxx, ich bekomm endlich auch eine Brille!!!!“

Die anderen Patienten lachten, die Ärztin freute sich über diesen Gefühlsausbruch („Sowas ist mir jetzt in 25 Jahren aber auch das erste Mal passiert!“) und die Arzthelferin versuchte das ausgeflippte Kind (vergeblich) lächelnd mit Gummibärchen zu beruhigen. Was musste also sofort geschehen? Richtig, wir mussten um 18:30 Uhr noch schnell den Optiker überfallen. Dort kamen wir dann um 20:10 Uhr mit einem todunglücklichem und weinenden Kind wieder heraus, denn es gab dort KEINE Brille, die ihr entweder gepasst, gefallen oder gestanden hätte. DRAMA BABY!
Dieses Problem hatten wir bei noch 10 (!) weiteren Optikern. Ihr könnt euch meine Verzweiflung sich vorstellen?! „Deine Brille muss erst designt werden!“ sagte ich zu ihr, wobei mir plötzlich die Arzthelferin einfiel, die von einem Optiker in der Nähe sprach, welcher Haribo-Brille hatte, die ausgesprochen flexibel sowohl im Material, als auch in der Gestaltung seien. 17-10-08-19-25-30-345_deco.jpg

Also wir sofort dorthin und ENDLICH fanden wir das Gesuchte! Prinzessin suchte sich die Form der Gläser und die Farben der einzelnen Bauteile zusammen und bekam endlich DIE perfekte Brille, die sie tatsächlich „selber“ designt hatte. Natürlich in ihren Lieblingsfarben neonpink/neongelb, passend zu ihrem Ranzen! Nach gerade mal 4 Tagen war das gute Stück schon abholbereit und endlich kehrte wieder Ruhe und Glückseligkeit ins Mädchenherz ein.

Meine Güte, was war das für eine Tortur! Erst recht, wenn man den Brillenkauf des Prinzen im Hinterkopf hat, wo es zwei passende Brillen im ersten Laden gab und man nur zu warten brauchte, für welches Modell er sich denn letztlich entscheiden würde. Hoffentlich wächst sie nicht allzu schnell aus dem Gestell bzw. der Produktlinie heraus, damit mir eine erneute Suche erspart bleibt!

 

Kita adé

Wir haben es geschafft, das Kindergartenalter liegt nun gänzlich hinter uns und ich bin so froh darüber!
Zum einen habe ich dadurch jetzt morgens sehr viel mehr Zeit, denn aus zwei morgendlichen Wegen ist nun einer geworden. Zum anderen war die Prinzessin mehr als reif und hat uns zu Hause schon mit etlichen schulischen Dingen terrorisiert, die wir doch versucht haben so lange wie möglich zu meiden, um sie in der ersten Klasse nicht zu unterfordern.

Endlich haben wir zwei Schulkinder daheim. Ich nenne es einfach mal elterlichen Luxus im Schafsstall. Wo noch vor gar nicht allzu langer Zeit Windeln, Feuchttücher und Wasserflaschen den elterlichen Alltag bestimmt haben, herrschen nun Stifte, Papier, Kleber und Playmobil vor. Wenn ich gefühlt noch gestern der Alleinanimateur mit Handpuppen und Fingermalfarben war, darf (aber muss nicht) ich nun „11er raus“, „Mister Pups“ oder „Mensch ärgere dich nicht“ spielen. Habe ich nicht noch vor kurzem den ganzen Tag nach Arbeit die Kinder betüddelt und mich erst Abends um mich und meine Belange gekümmert, kann ich nun auch einfach auch mal am Tage meinen Interessen und Aufgaben nach gehen.

Das hört sich schrecklich an, nicht wahr?
Ich habe es gemocht mit meinen kleinen Monstern über Teppiche zu krauchen, Krabbel- und Frühmusikalischegruppen zu besuchen. Ich habe jede neue Entwicklung mit Argusaugen überwacht und ersehnt um sie dann stolz der ganzen Welt zu präsentieren. Aber eben auch nur so lange es nötig war. Bis 19 Uhr Vollblutmama. Dann kam das Sandmännchen und ich kroch auf dem Zahnfleisch langsam in Richtung Mandysein. Ab 19:15 Uhr war die Wandlung dann vollbracht, denn die Kinder hatten ihre Gute-Nacht- Geschichten und schliefen seelig. Manchmal hatte ich keinen Elan mehr aber doch riesige Lust und Sehnsucht einem meiner Hobbys nach zu gehen, so dass ich dann erst die Wolle, ein Buch oder die Nähmaschine hervor holte. Beim arbeiten kam auch der Elan zurück, so dass ich manchmal bis 4 Uhr morgens saß und dann schnell ins Bett sprang, um wenigstens noch ein bisschen zu schlafen, bevor um 6:45Uhr der Wecker klingelte.

Seit einiger Zeit hat sich das alles etwas geändert. Die Kinder wurden größer und selbstständiger. Sie fingen immer mehr an, miteinander zu spielen oder sich alleine zu beschäftigen. Mama war plötzlich immer weniger nötig um der Langeweile den Garaus zu machen. Der Mann fing dann an, einmal in der Woche zu einem Vater-Kind-Turnen zu gehen und auch das wöchentliche Schwimmtraining zu  übernehmen. Dabei vergas er nie, mich darauf aufmerksam zu machen, es mir in den Stunden gut gehen zu lassen.

Endlich kann man Ausflüge wesentlich entspannter entgegenblicken. Nichts mit 1000 Artikel ins Auto quetschen um dann doch dies oder das vergessen zu haben. Inzwischen bräuchte man inzwischen gar nichts mehr mitzunehmen. Natürlich packt man trotzdem noch einen Rucksack mit ein paar Kleinigkeiten zusammen, aber was man nicht einpackt, ist eben nicht dabei und wird entweder unterwegs durch etwas anderes ersetzt oder eben nicht. Außerdem muss man die Kinder nicht mehr jede Sekunde im Blick haben, weil man Angst haben muss, dass sie ins Lagerfeuer rennen, in den Pool stürzen, Steckdosen inspizieren, gefährliche oder fremde Tiere anpatschen, sich irgendetwas gefährliches/ giftiges in den Mund stecken, irgendwo drauf klettern und verglücken, einfach auf die Hauptstraße rennen und so weiter.

Was nicht heißt, dass Frau und Mann so gar nichts mehr zu tun haben, sich auf die17-10-06-11-31-51-944_deco.jpg Bank setzen und chic ist. Da kommen wir erst im nächsten Lebensabschnitt (der sich Pubertät nennt und mir jetzt schon Angst und schlaflose Nächte bereitet) hin. Als Mutter weiß ich, was meine Kleinen können (also meistens), aber man(dy) geht ja immer vom Fehlverhalten der anderen aus. So hat man dann doch immer ein Auge auf die kleinen Menschen, im besten Fall so, dass sie es gar nicht merken: im Schwimmbad damit sie nicht gestuckt werden oder jemand auf sie springt; auf Spielplätzen oder öffentlichen Plätzen, damit kein Fremder sie mitnimmt oder anspricht; beim Radfahren, damit sie nicht von anderen übersehen werden…

Und doch, der Abschnitt Kitaalter war irgendwie auch schön. Sehr intim und geprägt von nie enden vollenden Phasen, die sich einfach nur abklatschten, manchmal laut, manchmal leise. Teilweise gesundheitlich anstrengend, oft emotional sehr rasant.

Nun sind beide Kinder im Grundschulkindalter und obwohl wir beim Großen starke Startschwierigkeiten hatten, ist es nun nur noch aufregend, wenn Tests bevorstehen. Kann es sein, dass dieser Abschnitt der ruhigste im Elterndasein ist?!

Ich bin gespannt…

Wir schaffen das

Heute kam mein Großer nach der Schule zu mir und zeigte mir sein Elternheft. Mit gemischten Gefühlen nahm ich es entgegen, schaute mir meinen Sohn an und öffnete langsam das Heft. 

Im letzten Schuljahr bekamen wir jeden zweiten Tag  (gefühlt) das Elternheft und mussten Dinge lesen, die einen als normalen Mensch schon komisch gucken lässt, als liebende Mutter aber den blanken Hass hochsteigen lässt. Man(dy) war sich nicht sicher, ob die gute Frau, die da so negativ von diesem tollen Kind schreibt, überhaupt weiß, wessen Heft sie da beschriftet. Ich war irgendwann dann emotional schon so abgedrehten, dass ich nur schon beim aufklappen des Hefts  (wortwörtlich) rot sah und versprach, dass ich in gewissen Situationen nicht für die Funktionalität meiner Bremsen garantieren würde. 

Heute nahm ich also das neue Elternheft  (das alte habe ich voller Freude zerrissen und vor 3 Wochen entsorgt) in die Hand, auf das Schlimmste vorbereitet; schon tröstende Worte für meinen kleinen Schatz im Hinterkopf. 

Und dann sehe ich einen kleinen, einsamen Satz. Kurz und knapp, ein wenig unscheinbar zwischen den Mitteilungen über Hausaufgaben, die inzwischen recht ordentlich vom kleinen Mann eingetragen wurden und beginne zu weinen. 

Dieser Satz hat kein reißerisches Potential oder wird jemals in einem Geschichtsbuch erscheinen (naja, wer weiß was aus dem kleinen Mann mal wird 😉)  und doch… 

Dieser kleine Satz bezeugt den erfolgreichen Schulwechsel. Er beweist, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, dass wir richtig damit lagen nicht der Lehrerin zu glauben, sondern auf unser Gefühl und unserem Kind vertraut haben. 

An der an der alten Schule war er der Junge, der als LRS-Kind abgestempelt war und ständig aus dem Unterricht genommen wurde, weil er einfach nichts verstehen würde und deshalb der besonderen Aufmerksamkeit der Sonderpädagogin bedurfte. Heute war er der Junge, der von der strengsten Deutschlehrerin der Schule ein Lob ins Elternheft bekommen hat und sich inzwischen sehr gut in der Schule macht. 

Dieser kleine Kerl schaut mich stolz an, sieht meine Freudentränen, nimmt mich in den Arm, gibt mir einen Kuss auf den Hals und flüstert mir ins Ohr, dass ich nicht weinen muss, weil es ihm endlich gut in der Schule geht. 

Es gibt Lehrer die können Kindern das Leben zur Hölle machen, aber zum Glück gibt es auch die anderen und von denen gibt es zum Glück viel mehr, als es in Zeiten der Not scheinen mag. 

Der kleine, starke Mensch ist nun über den Berg und ich, ich bin langsam auf dem Weg zur Spitze. 

Vertrauen? Kann ich nicht mehr!

Letzten September haben wir unser Kind Menschen anvertraut, die wir noch nie gesehen haben, geschweige denn ein Wort mit Ihnen gesprochen haben. Das war schon nicht besonders leicht für mich als Mutter mit einem sehr ausgeprägtem Kontrollzwang Beschützerinstinkt. Immerhin durften meine Kinder nicht vor dem zweiten Lebensjahr in die Kita aus dem einfachen Grund, dass ich wollte, dass sie sich mir gegenüber äußern können, wenn etwas verquer läuft.

Nun gut, mit 5 Jahren, nur ganz knapp von der 6 entfernt, sollte dies ohne Probleme möglich sein und Schule ist ja ohnehin noch einmal etwas anderes als Kita. So dachte ich damals. Wäre es nach mir gegangen, ich hätte meinen Prinzen noch ein Jahr länger in der Kita gelassen. Doch Kita und auch Schulärztin gaben ihr Go und so war der Lauf der Dinge quasi beschlossene Sache.
Im Nachhinein kann man sich vieles Fragen und überlegen, wie es hätte besser laufen können, doch alles das bringt nichts und so müssen wir die Situation nun so wie sie ist hinnnehmen und versuchen das Beste daraus zu machen.

Vor einem guten viertel Jahr brachten wir unseren Großen in die Klasse. Inzwischen waren wir daran gewöhnt, dass wichtige Informationen, sei es den Leistungsstand des Kindes oder eventuelle Verletzungen (und da gab es von der Schürfwunde bis zur gebrochenen Nase quasi schon alles innerhalb eines Schuljahres), nur auf genaue Nachfrage und ein wenig sticheln zu erhalten waren. So nahm das „Och, der Prinz macht sich eigentlich ganz gut“- Gespräch binnen weniger Sekunden eine Wendung zu „Nur damit Sies schon wissen, im nächsten Jahr wird er einen I-Status bekommen!“.
Ich werde jetzt hier nicht ins Detail gehen, inwiefern diese Frau sich falsch verhalten und auch im Ton vergriffen hat. Nur soviel: Ich verließ nach 10 Minuten mit Halsschlagader, hochroten Kopf und Nerven aufs mindeste Gespannt die Klasse und bin im Nachhinein wirklich erstaunt, wie höflich und zurückhaltend ich reagiert habe (der Mann war auch mehr als überrascht von meiner vermeintlichen Ruhe).
Zum besseren Verständnis sei noch gesagt, dass ich aus mehreren Gründen gegen und sie aus den falschen Gründen dafür war/ist.

Wir unternahmen einige Schritte um uns ein Schul- und Elternunabhängiges Bild von unserem Kind zu machen. Denn nichts ist schlimmer als Eltern, die auf ihren Standpunkt beharren und im Grunde keine Ahnung haben, wer oder wie ihr Kind ist. Die Experten (drei Stück an der Zahl) erzählten mir aber auch nur das, was ich ohnehin schon über mein Kind wusste und bestätigten mich in meiner Meinung. Um für das Kind einen besseren Schulalltag zu bekommen, gab ich den Experten die Genehmigung, sich mit der Lehrerin zu unterhalten und war froh, dass die Menschen mit beiden Füßen fest auf unserer Seite standen. Wirklich jeden belatscherte die gute Frau und versuchte ihre Meinung in die Akte der Experten zu bekommen, wirklich massiv und penetrant, wie mir zurück gemeldet wurde.

Nachdem die gute Frau nun auch auf dieser Ebene gescheitert war, muss sie sich einen neuen Schlachtplan überlegt haben, der da geheißen haben muss „Nun zeigen wir denen mal, wie blöd ihr Kind wirklich ist, dann knicken die schon ein!“
Seit mehreren Wochen weint sich unser Kind nun in den Schlaf, bekommt immer häufiger (nachweislich) mehr Hausaufgaben als die anderen Kinder der Klasse, benutzt Sätze wie „Ich bin nichts, ich kann nichts, mich kann man nicht lieb haben“ und schlimmeres. Mir zerreißt es das Mutterherz und der Mann fährt besonders aufmerksam Auto, nicht dass da jemand zu Schaden kommt…

Vor zwei Wochen erreichte die Geschichte ihren Gipfel, auf jeden Fall emotional gesehen und aus dem eigentlichen ‚Ich will zur Leitung‚ wurde ein ‚Ich brauche bitte eine Ummeldekarte für meinen Sohn‚. Morgen hospitiert mein Kind in seiner neuen Klasse, die er ab Sommer besuchen wird. Handverlesen durch mich, denn ich bin in der glücklichen Lage unterschiedliche Kontakte zu haben, die mir erlauben sehr tiefe Einblicke in die Arbeit der neuen Schule zu nehmen.

Ich erwarte durch einen Schulwechsel keine schulischen Wunder (aber hoffen wird man wohl dürfen?!) und mir ist auch klar, dass das Kind weiterhin irgendwelche Auseinandersetzungen mit Kindern oder (hoffentlich eher nicht) Lehrern haben wird. Das gehört einfach dazu und ist prinzipiell ja nicht schlimm.
Aber, und da bin ich mir sicher, ich weiß, dass es ihm nun wieder gut gehen wird. Sowohl in der Schule, als auch in der Betreuung.

Was ich mache wenn er in die Oberschule kommt? Tja, ich weiß noch nicht, aber es wird schwierig sein mein Kind einer fremden Institution anzuvertrauen. Vielleicht studiere ich ja doch noch auf Lehramt und unterrichte dann in einer Oberschule?! Oder baue mir zumindest in diese Richtung Freundschaften auf, ein wenig Zeit habe ich ja noch… 😉